Als Kuratorin und Praktikerin habe ich immer wieder erlebt, wie bereichernd die Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkerinnen und Handwerkern für die Entstehung von Ausstellungsobjekten sein kann. Sie bringen nicht nur Fertigkeiten und Materialkenntnis ein, sondern auch Geschichten, regionale Ressourcen und oft ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit, das sich direkt in die Arbeit übersetzt. In diesem Beitrag teile ich meine Erfahrungen und praxistaugliche Schritte, wie du lokale Handwerker als Materialpartner gewinnst und gemeinsam nachhaltige Ausstellungsobjekte produzierst.

Warum lokale Handwerker als Partner wählen?

Für mich sind drei Aspekte entscheidend: Qualität der Materialien und Verarbeitung, lokale Vernetzung und Nachhaltigkeit. Lokale Gewerke kennen die regionalen Rohstoffe, verarbeiten sie oft ressourcenschonender und haben kürzere Lieferketten. Gleichzeitig entstehen durch die Kooperationen authentische Geschichten, die Ausstellungen an Reichhaltigkeit gewinnen lassen — Besucherinnen und Besucher schätzen Produkte mit Herkunft und handwerklicher Spur.

Erste Schritte: Recherche und Beziehungspflege

Bevor ich jemanden anspreche, mache ich eine gezielte Recherche:

  • Lokale Gewerbevereine, Handwerkskammer und Wochenmärkte durchsuchen;
  • Empfehlungen von anderen Kuratorinnen, Galerien oder Künstlerinnen einholen;
  • Social Media (Instagram, Facebook) nach Betrieben suchen, die nachhaltige Ansätze zeigen;
  • Werkstätten persönlich besuchen, um einen Eindruck von Arbeitsweise und Materialien zu bekommen.
  • Der erste Kontakt sollte persönlich und respektvoll sein. Ich rufe an, schreibe eine kurze E-Mail mit Vorstellung und einem konkreten Projektvorschlag und lade zur Werkstattbesichtigung ein. Handwerker schätzen direkte Anfragen, die ihr Können anerkennen und konkrete Rahmenbedingungen nennen.

    Was im Gespräch wichtig ist

    In den ersten Gesprächen kläre ich transparent folgende Punkte:

  • Projektziel und künstlerische Vision (Skizzen oder Moodboards zeigen);
  • Rollenverteilung — wer liefert, wer fertigt, wer macht die Montage;
  • Zeitrahmen und Deadlines;
  • Budget: Honorar, Materialkosten, mögliche Beteiligung an Fördermitteln;
  • Nachhaltigkeitsanforderungen: Materialwahl, Wiederverwendbarkeit, Reparaturfähigkeit;
  • Haftungs- und Versicherungsfragen bei Aufbau und Transport.
  • Wichtig ist, das Fachwissen der Handwerker ernst zu nehmen: Oft ergeben sich aus den Gesprächen bessere technische Lösungen oder nachhaltigere Materialalternativen, die ich als Kuratorin ohne handwerkliche Erfahrung nicht bedacht hätte.

    Nachhaltige Materialwahl: Kriterien und Beispiele

    Für nachhaltige Ausstellungsobjekte achte ich auf diese Kriterien:

  • Regionalität der Materialien (z. B. heimisches Holz statt importiertem Tropenholz);
  • Recycelbarkeit und Wiederverwendbarkeit (z. B. modulare Systeme aus Metall oder Holz);
  • Ökologische Beschichtungen und Kleber (verzicht auf Lösungsmittel, Verwendung von Leinöl, Wachse oder wasserbasierten Lacken);
  • Lebenszyklusdenken: Reparaturfreundlichkeit und zweite Verwendung nach der Ausstellung;
  • Transparenz: Materialien und Herstellungsprozesse dokumentieren und sichtbar machen.
  • Konkrete Beispiele, die ich erfolgreich umgesetzt habe:

  • Ein modularer Sockel aus heimischer Buche, der so konstruiert ist, dass er nach der Ausstellung als Sitzbank dienen kann;
  • Ausstellungsrahmen aus recyceltem Aluminium von einer lokalen Schlosserei, die vor Ort aufgearbeitet werden können;
  • Refurbished-Objekte: Zusammenarbeit mit Schreinern, die Sperrmüll-Möbel zu Skulpturen umbauen.
  • Finanzierung und faire Vergütung

    Handwerk verlangt Zeit und Know-how — das braucht angemessene Bezahlung. Ich arbeite mit drei Finanzierungswegen:

  • Direktes Honorarmodell: Festhonorar für Herstellung plus Materialkosten;
  • Projektbeteiligung: Handwerker erhalten Sichtbarkeit (Nennung in Katalog, Website, Eröffnungsrede) sowie eine geringe finanzielle Kompensation;
  • Fördermittel: Bewerbungen bei Kulturförderungen, Stiftungen oder regionalen Fonds, die speziell Kooperationen zwischen Kunst und Handwerk unterstützen (z. B. lokale Kulturfonds oder Programme der Handwerkskammer).
  • Immer wieder zahlt es sich aus, alle Kosten transparent aufzulisten und gemeinsam ein Budgetblatt zu erstellen — so entstehen keine Missverständnisse.

    Vertragliche Absicherung und Rechte

    Auch wenn die Zusammenarbeit kollegial ist, empfehle ich schriftliche Vereinbarungen. Wichtige Inhalte eines einfachen Vertrags oder Memorandums of Understanding:

  • Leistungsbeschreibung und Zeitplan;
  • Vergütung und Zahlungstermine;
  • Urheber- und Nutzungsrechte (Wer darf Fotos verwenden, wie werden handwerkliche Leistungen creditet?);
  • Haftung, Versicherung und Abnahmeprozedur;
  • Vereinbarungen zur Wiederverwendung oder zur Entsorgung nach der Ausstellung.
  • Viele Missverständnisse lassen sich durch klare, einfache Formulierungen vermeiden. Als Vorlage nutze ich oft die Musterverträge meiner Institution oder arbeite mit der Handwerkskammer zusammen.

    Workshops und Co-Creation: Projekte als Lernorte

    Eine besonders fruchtbare Form der Kooperation sind Co-Creation-Workshops: Künstler, Handwerker und Besucher arbeiten gemeinsam an Objekten. Solche Workshops haben mehrere Vorteile:

  • Transparente Vermittlung handwerklicher Prozesse;
  • Bildungsangebote für Schulen und lokale Gruppen;
  • Neue ästhetische Ansätze durch interdisziplinären Austausch;
  • Stärkung der Community und längerfristige Netzwerke.
  • Ich organisiere häufig Tages-Workshops in Werkstätten, bei denen einfache Prototypen entstehen, die später in der Ausstellung integriert oder weiterentwickelt werden. Für solche Formate ist ein kleines Workshop-Budget und eine gute Moderation wichtig — manchmal arbeite ich mit erfahrenen Workshopleiterinnen zusammen oder buche Vermittlungs-Kits von Marken wie Tesa oder Bosch, wenn elektrowerkzeuge nötig sind.

    Dokumentation und Sichtbarkeit

    Gute Dokumentation ist essenziell: Fotos, kurze Videos, Interview-Ausschnitte mit den Handwerkerinnen, Materiallisten und technische Skizzen. Ich veröffentliche diese Inhalte auf kunstverein-badvilbel.de, in Social Media und im Ausstellungskatalog. Sichtbarkeit ist nicht nur Wertschätzung, sie wertet das Handwerk auch für Fördergeber und das Publikum auf.

    RolleBeitragNachhaltiger Mehrwert
    KünstlerKonzept, DesignKünstlerische Intention
    HandwerkerHerstellung, MaterialberatungRegionale Materialien, Langlebigkeit
    KuratorKoordination, BudgetVernetzung, Öffentlichkeitsarbeit

    Tipps aus der Praxis

  • Beginne früh: Handwerksarbeiten brauchen Zeit — plane Puffer ein;
  • Respektiere traditionelle Arbeitsweisen, aber sei offen für Innovation;
  • Investiere in gute Kommunikation (regelmäßige Treffen, klare Deadlines);
  • Denke an Logistik: Transport, Montage vor Ort und Demontage berücksichtigen;
  • Zeige Wertschätzung: Eine Einladung zur Vernissage, Nennung in Credits und hochwertiges Fotomaterial sind einfache, aber wirksame Anerkennungen.
  • Kooperation mit lokalen Handwerkern ist für mich mehr als eine Produktionsfrage — sie ist eine Haltung. Sie verbindet ästhetische Ambition mit sozialer Verantwortung und ökologischer Sorgfalt. Wenn du konkrete Projektideen hast, kannst du sie gerne an mich schicken; ich teile in meinem nächsten Beitrag gern konkrete Fallbeispiele aus dem Kunstverein Badvilbel und präsentiere Musterverträge und Budgetvorlagen.