Als Kuratorin und Vermittlerin in Bad Vilbel bekomme ich oft dieselbe Frage: Wie finde ich lokale Förderpartner und Sponsoren – besonders als Einzelkünstler*in oder kleines Kollektiv? Die Suche wirkt auf den ersten Blick überwältigend, aber mit einer klaren Strategie, konkretisierten Zielen und etwas Geduld lassen sich verlässliche lokale Partnerschaften aufbauen. In diesem Praxisleitfaden teile ich Methoden, Texte und konkrete Schritte, die sich für mich und Künstler*innen aus unserem Netzwerk bewährt haben.

Ziele definieren: Was genau suchst du?

Bevor du Ansprechpartner*innen kontaktierst, kläre intern, was du brauchst. Oft vermischen sich Förderanfragen (Projektförderung, Stipendium) und Sponsoring (Sachleistungen, Geld im Austausch für Sichtbarkeit). Ich frage mich immer:

  • Benötige ich eine einmalige Projektförderung oder eine längerfristige Partner*innenschaft?
  • Geht es um Geld, Material, Räumlichkeiten, technische Infrastruktur oder Kommunikationssupport?
  • Welche Gegenleistungen kann ich realistisch anbieten (Nennung auf Einladung, Logo-Präsenz, Einladung zu Preview, Workshops für Mitarbeitende)?
  • Wenn du klare Ziele formulierst, wird deine Ansprache professioneller und überzeugender.

    Lokale Recherche: Wo anfangen?

    Ich beginne mit einem kleinen Kartographieren der lokalen Akteur*innen:

  • Stadtverwaltung und Kulturamt Bad Vilbel – oft gibt es kleine Kulturförderbudgets, Projektstipendien oder Kooperationsmöglichkeiten.
  • Regionale Stiftungen und Sparkassen (z. B. Taunus-Sparkasse), lokale Unternehmen mit Standort in Bad Vilbel, Apotheken, Bäckereien und Hotels – viele Unternehmen suchen lokale Sichtbarkeit.
  • Kulturelle Einrichtungen: Bibliotheken, Schulen, Seniorenheime, Jugendzentren – ideal für partizipative Projekte und gemeinsame Förderanträge.
  • Tourismus- und Stadtmarketing Bad Vilbel – gemeinsame Ziele bei Veranstaltungen und Stadtfesten.
  • Private Sammler, Kunstvereine im Umfeld (z. B. regionale Kunstvereine), Künstlerkollektive und Galerien.
  • Nutze Google Maps, das Gewerberegister, regionale Wirtschaftsförderungen und die Social-Media-Präsenzen der Stadt, um eine Liste zu erstellen. Ich pflege eine Excel-Liste mit Kontakt, Ansprechpartner*in, Website, Bemerkungen und Datum der letzten Kontaktaufnahme.

    Die richtige Ansprache: Kurz, präzise, persönlich

    Local Sponsoren erhalten oft unpersönliche Massenmails. Meine Empfehlung: persönliche Ansprache. Recherchiere die zuständige Person (Marketing, CSR, Geschäftsführung) und passe dein Anschreiben an. Ein bewährtes Format:

  • 1. Ein Satz über dich und dein Projekt (maximal zwei Sätze).
  • 2. Warum das Projekt relevant für Bad Vilbel / die Zielgruppe des Sponsors ist.
  • 3. Konkrete Anfrage: Was genau brauchst du? Welche Gegenleistung bietest du?
  • 4. Nächster Schritt: Einladung zu einem kurzen Gespräch, Terminoptionen, Link zur Projektmappe.
  • Ein Beispieltext (als E-Mail-Betreff und -Einleitung) habe ich oft verwendet:

    Betreff: Kooperation für Ausstellung/Workshop „Titel“ – lokale Begegnungen in Bad Vilbel

    Guten Tag Frau/Herr X,

    ich bin Künstler*in / wir sind das Kollektiv X und planen vom DD.MM. bis DD.MM. eine Ausstellung/Workshop-Reihe im Raum Bad Vilbel, die sich mit [kurzes Thema] beschäftigt. Das Projekt richtet sich an [Zielgruppe] und verfolgt das Ziel, [Auswirkung für Stadt/Community].

    Für die Umsetzung suchen wir Unterstützung in Form von [Geld/Sachleistung/Räumlichkeiten]. Als Partner*in bieten wir [Sichtbarkeit, Einladungen, Pressearbeit, Workshop für Mitarbeitende o.ä.]. Ich freue mich auf ein kurzes Gespräch – passt Ihnen ein Termin in den nächsten zwei Wochen?

    Praktische Tools und Materialien

    Ein paar Dinge, die ich immer bereithalte:

  • Eine schlanke Projektmappe (PDF, max. 4–6 Seiten): Projektbeschreibung, Budget, Zeitplan, kurze Künstler*innenbiographien und Visualisierungen.
  • Ein kurzes Video (1–2 Minuten) oder eine Slideshow, die das Projekt visuell erklärt.
  • Eine Sponsoring- oder Kooperationsmatrix: verschiedene Unterstützungsstufen (z. B. Bronze, Silber, Gold) mit klaren Gegenleistungen.
  • Referenzen: Links zu früheren Projekten, Presseberichte, Testimonials.
  • Wie ich lokale Unternehmen für kulturelle Kooperationen gewinne

    Unternehmen schauen auf Nutzen: Mitarbeiterbindung, lokale Sichtbarkeit, CSR. Beschreibe konkret, welchen Nutzen dein Projekt bringt. Beispiele, die oft funktionieren:

  • Team-Workshop oder kreativer Teamevent als Dankeschön für Sponsor*innen.
  • Exklusive Preview oder VIP-Führung für Kund*innen und Mitarbeitende.
  • Branding-Möglichkeiten vor Ort (Banner, Flyer), in Social Media und Pressetexten.
  • Gemeinsame Veranstaltungen: Wenn ein Lokalverein ein Sommerfest plant, biete eine künstlerische Intervention an – oft günstiger als klassische Werbung.
  • Fördermöglichkeiten und Anträge

    Für finanzielle Förderung prüfe ich regelmäßig:

  • Kommunale Kulturfonds (Stadt Bad Vilbel, Kulturamt)
  • Regionale Stiftungen (Kulturstiftungen im Main-Kinzig-/Wetterau-Kreis)
  • Kleinstipendien von Landes- oder Bundesprogrammen (Kulturstiftung des Bundes, NEUSTART KULTUR– je nach Auflage)
  • EU- und Interreg-Projekte bei grenzüberschreitender Kooperation
  • Bei Anträgen zählt Präzision: klare Ziele, messbare Ergebnisse, und ein realistisches Budget. Ich empfehle, Förderrichtlinien exakt zu lesen und bei Unklarheiten die Förderstelle telefonisch zu kontaktieren – das spart oft Zeit.

    Netzwerkpflege: Beziehungen sind das Kapital

    Der erfolgreichste Teil meiner Arbeit ist Beziehungsaufbau. Deshalb investiere ich Zeit in:

  • Regelmäßige Updates an Unterstützer*innen, auch wenn es nur kurze Projektfortschritte sind.
  • Einladungen zu Veranstaltungen – und im Gegenzug Besuche bei lokalen Akteur*innen.
  • Kooperative Formate: z. B. eine gemeinsame Künstler*innengesprächsreihe mit einer Buchhandlung oder einem Café.
  • Vorlage: kurzer Gesprächsleitfaden für das Erstgespräch

    FrageZweck
    Kurze Vorstellung des ProjektsInteresse wecken, Kontext geben
    Welche Zielgruppe soll erreicht werden?Gemeinsame Zieldefinition
    Welche Form der Unterstützung ist möglich?Praktische Klärung: Geld, Raum, Material
    Welche Sichtbarkeit wünschen Sie als Sponsor?Erwartungen abgleichen
    Nächster Schritt / ZeitplanKonkrete Vereinbarung treffen

    Ich schreibe nach jedem Gespräch eine kurze Bestätigungsmail mit den besprochenen Punkten – das schafft Verbindlichkeit.

    Wenn du magst, kannst du mir gerne dein Projekt in einer kurzen Nachricht an Kunstverein Bad Vilbel schicken. Ich unterstütze gelegentlich mit Feedback zu Anträgen, Einordnungen lokaler Partner*innen oder der Formulierung von Sponsor*innenangeboten.