Leerstehende Ladenlokale können wie kleine, wartende Bühnen wirken: sie haben Fenster, Türen, Licht und vor allem eine direkte Beziehung zur Straße. Ich habe in mehreren Projekten erlebt, wie solche Räume zu temporären Nachbarschaftsinstallationen werden können — begehbar, partizipativ und narrativ. Hier teile ich eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, die ich aus eigenen Projektarbeiten und praktischen Erfahrungen zusammengestellt habe. Sie richtet sich an Künstlerinnen, Kollektive, Kulturakteure und engagierte Nachbarinnen und Nachbarn.
Erste Überlegungen: Ziel, Format und Kontext klären
Bevor Sie irgendeine Tür öffnen, sollten Sie sich drei Fragen beantworten:
Diese einfachen Klärungen bestimmen Materialien, Budget, Technik und die erforderlichen Genehmigungen.
Genehmigungen, Versicherung und Eigentümerkontakt
Der Kontakt zum Eigentümer ist der Schlüssel. Ich empfehle, früh und transparent vorzugehen:
Konzeptentwicklung: Narrativ, Partizipation und Zugänglichkeit
Mein wichtigster Tipp: denken Sie in Geschichten und Begegnungen. Eine Nachbarschaftsinstallation lebt von Aneignung. Fragen, die ich mir stelle:
Praktische Planung: Layout, Technik und Materialwahl
Erstellen Sie früh ein Raumdiagramm — idealerweise handgezeichnet mit Maßen. In meiner Praxis hilft das bei der Planung von Sitzbereichen, Laufwegen und Notausgängen.
Community-Einbindung und Programmgestaltung
Lokale Vernetzung ist das Herzstück erfolgreicher Zwischennutzungen. So gehe ich vor:
Budget und Zeitplan
Ein realistischer Zeitplan und ein einfaches Budget vermeiden böse Überraschungen. Unten ein kleines Beispiel für einen einmonatigen Pop-up:
| Position | Geschätzte Kosten (€) |
| Materialien (Bau, Dekoration) | 300–700 |
| Technik (Beleuchtung, Kabel) | 150–400 |
| Versicherung | 80–200 |
| Werbung & Druck (Flyer, Social Media) | 50–200 |
| Honorar für Künstler*innen / Workshop-Leiter | 200–800 |
| Gesamt (kleiner Rahmen) | ~780–2300 |
Viele Projekte lassen sich durch Materialspenden, Crowdfunding (z. B. Startnext) oder lokale Sponsoren (Bauunternehmen, Einrichtungshäuser wie Obi oder Hornbach) unterstützen.
Aufbau, Sicherheit und Installation
Planen Sie den Aufbau in klare Tasks und Tage:
Sichern Sie jederzeit Fluchtwege und halten Sie Brandschutzbestimmungen ein. Bei größeren Eingriffen (z. B. Wanddurchbrüche) ist unbedingt ein Fachbetrieb hinzuzuziehen.
Kommunikation und Sichtbarkeit
Nutzen Sie mehrere Kanäle:
Begleitprogramm, Dokumentation und Nachnutzung
Die Installation lebt nicht nur vom visuellen Eindruck, sondern von Veranstaltungen vor Ort. Planen Sie Mini-Events, Diskussionen, Workshops oder Theaterperformances. Dokumentieren Sie das Projekt sorgfältig: Fotos, kurze Videos, Besucherstatistiken und Zitate sind wichtig für Förderanträge und Nachnutzungs-Dialoge.
Überlegen Sie außerdem, wie der Raum nach dem Projekt weitergenutzt werden kann: Als temporäres Atelier, Pop-up-Laden für lokale Künstler*innen oder als dauerhafte Plattform für kulturelle Zwischennutzungen.
Wenn Sie möchten, unterstütze ich gern bei der Entwicklung eines konkreten Konzeptes oder der Vernetzung mit lokalen Eigentümern und Förderstellen. Ein leerstehender Laden ist mehr als nur Raum — er ist die Einladung an eine Nachbarschaft, gemeinsam Sinn zu stiften.