Performative Arbeiten filmisch zu dokumentieren, ohne ein Team anzuheuern, ist möglich — und kann sogar zu einer produktiven, reflektierten Praxis werden. Ich habe das mehrfach gemacht: kleine Solo-Performances in Ausstellungsräumen, partizipative Aktionen im Stadtraum, Live-Performances mit Publikum. Hier teile ich meine Erfahrungen, Werkzeuge und Strategien, damit du deine performativen Arbeiten überzeugend und professionell festhalten kannst, auch wenn du alleine bist.

Planung ist alles

Bevor ich die Kamera einschalte, plane ich mindestens so sorgfältig wie die Performance selbst. Das bedeutet:

  • Die wichtigsten Momente identifizieren: Gibt es einen Höhepunkt, visuelle Keyframes oder subtile Sequenzen, die dokumentiert werden müssen?
  • Storyboards oder Shot-Listen erstellen: Kurze Skizzen reichen. Ich schreibe auf, welche Bilder ich brauche (Detailaufnahme der Hände, Totale des Raumes, Reaktion des Publikums).
  • Technische Tests: Stelle sicher, dass Akku, Speicherkarte, Ton und Objektive funktionieren. Nichts ist frustrierender, als nach 30 Minuten zu merken, dass die SD-Karte voll ist.
  • Beim letzten Projekt habe ich die Performance in drei Blöcke unterteilt und für jeden Block zwei fixe Kamerapositionen geplant. Diese Struktur half mir, während der Arbeit fokussiert zu bleiben.

    Ausrüstung: Mehr braucht es nicht

    Du brauchst nicht die teuerste Ausstattung. Entscheidend ist, dass die Geräte zuverlässig sind und zu deiner Ästhetik passen.

  • Kamera: Eine spiegellose Kamera wie die Sony A7-Serie, Canon EOS R oder eine gute DSLR liefert hervorragende Bilder. Für sehr budgetfreundliche Optionen funktionieren auch moderne Smartphones (iPhone 13/14/15, Google Pixel) überraschend gut.
  • Objektive: Ein 24-70mm (Allround) und ein 50mm oder 35mm (für Details und Portraits) sind sehr flexibel.
  • Stativ: Unverzichtbar. Ein solides Drei-Bein-Stativ für Totale und ein kleines Tischstativ (Gorillapod) für ungewöhnliche Winkel.
  • Audio: Ich empfehle ein Lavalier-Mikrofon (z. B. Rode Wireless GO II) für klare Sprachaufnahmen und ein Richtmikrofon (Rode VideoMic NTG) auf der Kamera als Backup.
  • Beleuchtung: Natürliche Lichtnutzung ist ideal. Ergänzend helfen LED-Panels (Aputure Amaran), um Kontraste zu kontrollieren.
  • Weiteres Zubehör: Zusätzliche Akkus, genügend SD-Karten, Gaffer-Tape, eine Powerbank und ein einfachen Reflektor.
  • Allein filmen: Strategien für Single-Operator-Situationen

    Wenn du alleine filmst, musst du Rollen kombinieren: Performer/in, Kameraoperateur/in, Regisseur/in. Hier einige Praktiken, die mir geholfen haben:

  • Fixe Kamerapositionen einrichten: Stelle ein bis drei Stative fest auf. Wechsel die Position zwischen den Durchläufen oder nehme gleichzeitig mit mehreren Kameras auf, falls vorhanden.
  • Remote-Control nutzen: Viele Kameras lassen sich per Smartphone-App steuern (Start/Stopp, Fokus, Belichtung). Das ist ein Gamechanger, wenn du zwischen Performance und Kamera hin- und herlaufen musst.
  • Voraufnahmen / Proben filmen: Nimm eine Probe auf, analysiere das Bild und passe Position und Licht an. Ich habe oft überrascht gemerkt, wie anders Bewegungen im Bild wirken.
  • Markierungen setzen: Tape auf den Boden hilft bei identischen Wiederholungen von Positionen und Lichtsetup.
  • Bewegung und Perspektive

    Performances leben von Bewegung. Wenn du alleine filmst, kannst du mit Perspektive spielen, ohne viel Technik:

  • Statische Totale für Kontext und Raumbeziehung.
  • Mittelnahe für Gesten, Mimik, Materialität.
  • Details (Hände, Werkzeuge, Material) für Textur und Intimität.
  • Fallback: Wenn du Bewegung mit der Kamera willst, nutze eine kurze Dolly-Bewegung mit einem günstigen Slider oder ein Gimbal (z. B. DJI Ronin-SC). Bei Soloarbeit sind kurze, langsame Bewegungen am effektivsten.
  • Ton: oft unterschätzt, immer wichtig

    Guter Ton macht den Unterschied. Achte auf:

  • Direktes Mikrofoning: Lavalier für die Person, Richtmikrofon für Umgebungsgeräusche.
  • Umgebungsgeräusche aufnehmen: Ein 30–60 Sekunden Loop mit Raumgeräuschen (room tone) hilft bei der späteren Schnittarbeit.
  • Windschutz: Sogar in Innenräumen kann ein Pop-Filter oder ein Schaumstoffwindschutz wichtig sein.
  • Bearbeitung und Materialorganisation

    Als Solo-Operator/in verbringe ich viel Zeit in der Postproduktion. Drei Prinzipien helfen:

  • Struktur: Lege schon beim Import klare Ordner an: Rohmaterial, Audiotracks, Stills, Exporte. Benenne Dateien sinnvoll (Datum_Kamera_Position).
  • Schnittstruktur: Beginne mit einer groben Assembly-Sequenz, die den Ablauf der Performance abbildet. Ergänze dann Details, Close-ups und atmosphärische Schnitte.
  • Farbkorrektur & Sounddesign: Eine dezente Farbkorrektur vereinheitlicht verschiedene Kameras. Sounddesign (Ambience, leichte Musik, Raumklang) kann die Anwesenheit des Betrachters verstärken.
  • Rechtliches und ethische Aspekte

    Denke an Einverständniserklärungen und Urheberrechte:

  • Wenn Personen im Bild sind, hole schriftliche Einverständniserklärungen ein, besonders bei dokumentierten Workshops oder Publikumssituationen.
  • Bei Musik: Nutze lizenzfreie Tracks oder kläre Rechte. Alternativ produziere eigenen Sound oder arbeite mit freien Samples.
  • Schütze sensible Inhalte: Bei performativen Arbeiten mit persönlichen Geschichten überlege, ob und wie du Anonymisierung brauchst.
  • Tipps für ästhetische Entscheidungen

    Als kuratorisch Tätige achte ich darauf, dass die Dokumentation nicht einfach nur „Abfilmung“ ist. Sie soll die Intention der Arbeit kommunizieren:

  • Wähle Perspektiven, die die choreografische Struktur und die Beziehung zum Raum zeigen.
  • Arbeite mit Rhythmus im Schnitt: Längere Einstellungen für Atmosphären, schnellere Cuts für Intensität.
  • Sei loyal zur Performance: Manchmal ist es klug, Misserfolge oder Unterbrechungen zu zeigen — sie erzählen von Prozess und Präsenz.
  • Praktische Routinen, die sich bewährt haben

    Zum Schluss einige Routinen, die mir das Solo-Dokumentieren erleichtern:

  • Checkliste vor jeder Aufnahme: Akku, Karten, Ton, App-Verbindung.
  • Mindestens eine Backup-Aufnahme: Zweite Kamera oder Smartphone immer laufen lassen.
  • Notizen während der Proben: Ein kleines Notizbuch neben der Kamera hilft, wichtige Momente zu timestampen.
  • Regelmäßige Pausen: Soloarbeit ist energieintensiv. Kurze Pausen erhalten die Präsenz und die künstlerische Qualität.
  • Wenn du möchtest, kann ich dir auf Basis deines Projekts eine Shot-List erstellen oder ein kurzes Technikblatt mit konkreten Einstellungen (Blende, ISO, Shutter) für verschiedene Lichtsituationen schicken. Schreib mir gern die Kontextinfos: Raumgröße, Tageslicht/ künstliches Licht, Anzahl der Performer und gewünschte Länge der Dokumentation.