Als Kuratorin und Autorin, die regelmäßig mit freiberuflichen Künstler*innen arbeitet, werde ich oft gefragt: Wie verhandelt man angemessene Honorare, wenn das Budget klein ist? Diese Frage berührt nicht nur die ökonomische Realität vieler Projekte, sondern auch die Frage nach Wertschätzung, Fairness und Nachhaltigkeit in der Kunstpraxis. Ich teile hier meine Erfahrungen, konkrete Argumente, eine einfache Vertragsvorlage und praktische Formulierungen, die Ihnen helfen können, verhandlungsstark und professionell aufzutreten.
Warum klare Honorare wichtig sind
Für mich ist die Festlegung von Honoraren kein bürokratischer Akt, sondern Teil der Anerkennung künstlerischer Arbeit. Ein klarer Vertrag schützt beide Seiten: Er verhindert Missverständnisse, schafft Zeitplanungssicherheit und ermöglicht eine realistische Kalkulation. Gerade bei kleinen Budgets ist Transparenz entscheidend — sowohl über das, was möglich ist, als auch über kreative Kompromisse.
Vorbereitung: Was du wissen und berechnen solltest
Bevor du in ein Verhandlungsgespräch gehst, kläre für dich folgende Punkte:
Wenn ich das Budget eines Veranstalters sehe, überlege ich mir stets, wie viel von meinem Minimum abgedeckt ist und was ich realistischerweise zusätzlich reduzieren oder in Naturalien akzeptieren kann.
Argumente, die tatsächlich funktionieren
Folgende Argumente haben sich in Verhandlungen als wirkungsvoll erwiesen — nicht als Drohungen, sondern als sachliche Gründe, warum ein bestimmtes Honorar gerechtfertigt ist:
Verhandlungsstrategien: Praktisch und höflich
Verhandeln heißt nicht konfrontieren. Diese Strategien helfen mir, Gespräche konstruktiv zu führen:
Begriffe und Formulierungen, die du verwenden kannst
Formulierungen helfen, sachlich zu bleiben. Beispiele, die ich selbst oft benutze:
Vertragsvorlage (vereinfachte Fassung)
Unten finden Sie eine einfache Vertragsstruktur, die Sie als Ausgangspunkt nutzen können. Diese Vorlage ist nicht rechtsverbindlich und ersetzt keine rechtliche Beratung, aber sie hilft, zentrale Punkte zu regeln.
| Vertragsgegenstand | Beschreibung des Projekts / Ausstellungstitel / Zeitraum |
| Leistungen der Künstlerin/des Künstlers | Konzeptentwicklung, Produktion, Lieferung, Aufbau, Betreuung, Abbau |
| Honorar | Gesamtbetrag in EUR, Zahlungsmodalitäten (z. B. 50% bei Vertragsunterzeichnung, 50% nach Aufbau) |
| Vergütungsbestandteile | Auflistung: Materialpauschale, Reisekosten, Versicherungsübernahme, ggf. Unterkunft |
| Reisekosten & Spesen | Definition, Erstattung gegen Belege oder Pauschale |
| Copyright & Nutzungsrechte | Regelung über Reproduktionsrechte für Katalog, Website (Dauer, Zweck, Honorare für weitere Nutzungen) |
| Versicherung | Wer trägt Versicherungskosten für Transport und Ausstellung? Bedingungen |
| Abbruch & Haftung | Regeln für Projektabbruch, Haftungsbegrenzung |
| Widerruf / Kündigung | Fristen und mögliche Entschädigungen |
| Streitbeilegung | Ggf. Gerichtsstand oder Mediationsklausel |
| Unterschriften | Datum, Unterschrift Künstlerin/Künstler und Institution |
Wenn das Budget wirklich zu klein ist: kreative Lösungen
Es gibt Situationen, in denen kein finanzieller Spielraum besteht. Hier einige kreative, aber faire Alternativen, die ich persönlich nutze oder empfehle:
Nachverhandlung und Follow-up
Nach Abschluss des Projekts ist die Dokumentation wichtig. Belege, Fotos und ein kurzes Reportage-Heft (auch digital) erhöhen deine Sichtbarkeit und dienen als Argumentationshilfe bei künftigen Verhandlungen. Wenn die Institution zufriedengestellt ist, bitte um eine kurze schriftliche Referenz — das hilft dir bei der Finanzierung zukünftiger Projekte.
Wenn Sie konkrete Fälle oder eine personalisierte Vertragsvorlage möchten, schreiben Sie mir gerne über das Kontaktformular auf https://www.kunstverein-badvilbel.de — ich unterstütze regelmäßig Künstler*innen bei solchen Verhandlungen und kann Musterverträge anpassen.