Als Kuratorin und Autorin, die regelmäßig mit freiberuflichen Künstler*innen arbeitet, werde ich oft gefragt: Wie verhandelt man angemessene Honorare, wenn das Budget klein ist? Diese Frage berührt nicht nur die ökonomische Realität vieler Projekte, sondern auch die Frage nach Wertschätzung, Fairness und Nachhaltigkeit in der Kunstpraxis. Ich teile hier meine Erfahrungen, konkrete Argumente, eine einfache Vertragsvorlage und praktische Formulierungen, die Ihnen helfen können, verhandlungsstark und professionell aufzutreten.

Warum klare Honorare wichtig sind

Für mich ist die Festlegung von Honoraren kein bürokratischer Akt, sondern Teil der Anerkennung künstlerischer Arbeit. Ein klarer Vertrag schützt beide Seiten: Er verhindert Missverständnisse, schafft Zeitplanungssicherheit und ermöglicht eine realistische Kalkulation. Gerade bei kleinen Budgets ist Transparenz entscheidend — sowohl über das, was möglich ist, als auch über kreative Kompromisse.

Vorbereitung: Was du wissen und berechnen solltest

Bevor du in ein Verhandlungsgespräch gehst, kläre für dich folgende Punkte:

  • Deine Mindestkosten — Materialkosten, Transport, Versicherung, Assistenz, Produktionszeit. Rechne realistisch, nicht idealistisch.
  • Stundensatz und Pauschalen — Lege einen Stundensatz fest (oder eine Pauschale) für künstlerische Arbeit, Vorbereitung, Hängung und Betreuung.
  • Nicht monetäre Kompensation — Ausstellungskataloge, Presse, professionelle Fotos, Reisekostenerstattung, Unterkunft, Community-Zugang.
  • Zeitrahmen — Wann musst du produzieren? Gibt es Deadlines, die zusätzlichen Aufwand erfordern?
  • Wenn ich das Budget eines Veranstalters sehe, überlege ich mir stets, wie viel von meinem Minimum abgedeckt ist und was ich realistischerweise zusätzlich reduzieren oder in Naturalien akzeptieren kann.

    Argumente, die tatsächlich funktionieren

    Folgende Argumente haben sich in Verhandlungen als wirkungsvoll erwiesen — nicht als Drohungen, sondern als sachliche Gründe, warum ein bestimmtes Honorar gerechtfertigt ist:

  • Transparenz über Kosten: "Meine Material- und Produktionskosten betragen X €, dazu kommen Y Stunden Vorbereitung. Das ist die Basis, um die Qualität sicherzustellen."
  • Vergleichswerte: "Im lokalen Kontext liegen übliche Honorare für ähnliche Formate bei Z €. Das ist eine Orientierung, keine starre Forderung."
  • Arbeitsumfang klar benennen: "Mein Angebot umfasst Konzeptentwicklung, Produktion, Aufbau und künstlerische Betreuung während der Laufzeit. Jede zusätzliche Leistung kann separat vergütet werden."
  • Wert langfristig ansetzen: "Die Präsenz in Ihrem Programm hat für mich einen professionellen Wert — dafür bitte ich um angemessene Honorierung, um weiterhin unabhängig arbeiten zu können."
  • Alternativen anbieten: "Wenn das Budget nicht reicht, könnten wir Umfang reduzieren (z. B. weniger installatives Material) oder naturalistische Entschädigungen hinzunehmen, die jedoch konkret benannt werden müssen."
  • Verhandlungsstrategien: Praktisch und höflich

    Verhandeln heißt nicht konfrontieren. Diese Strategien helfen mir, Gespräche konstruktiv zu führen:

  • Aktives Zuhören: Frage nach dem Hintergrund des Budgets: Warum ist es so bemessen? Gibt es flexible Posten?
  • Mehrwert hervorheben: Beschreibe konkret, was die Institution durch deine Arbeit gewinnt (Zielgruppen, PR, didaktisches Begleitprogramm).
  • Optionen anbieten: Stelle Varianten vor — Umfang A mit Honorar X, Umfang B mit Honorar Y — und erkläre die Konsequenzen für die Arbeitsergebnisse.
  • Fristen setzen: Gib eine Antwortfrist, damit die Planung beiderseits sicher ist.
  • Schriftlichkeit verlangen: Alles Wichtige – Honorar, Fristen, Nutzungsrechte – sollte in einem Vertrag stehen.
  • Begriffe und Formulierungen, die du verwenden kannst

    Formulierungen helfen, sachlich zu bleiben. Beispiele, die ich selbst oft benutze:

  • "Ich verstehe das Budget. Mein Mindesthonorar für dieses Format liegt bei X €, da darin Produktion, Versicherung und drei Tage kuratorische Betreuung enthalten sind."
  • "Gern biete ich eine reduzierte Version an: gleiche konzeptionelle Arbeit, reduzierte Produktionskosten, Honorar Y €. Dafür würde der Umfang beschränkt sein auf..."
  • "Ich kann das Projekt realisieren, wenn Reisekosten und Materialpauschale übernommen werden. Sollte das nicht möglich sein, schlage ich vor, die Ausstellungsdauer zu reduzieren oder Werke vor Ort mit gefundenen Materialien zu produzieren."
  • Vertragsvorlage (vereinfachte Fassung)

    Unten finden Sie eine einfache Vertragsstruktur, die Sie als Ausgangspunkt nutzen können. Diese Vorlage ist nicht rechtsverbindlich und ersetzt keine rechtliche Beratung, aber sie hilft, zentrale Punkte zu regeln.

    VertragsgegenstandBeschreibung des Projekts / Ausstellungstitel / Zeitraum
    Leistungen der Künstlerin/des KünstlersKonzeptentwicklung, Produktion, Lieferung, Aufbau, Betreuung, Abbau
    HonorarGesamtbetrag in EUR, Zahlungsmodalitäten (z. B. 50% bei Vertragsunterzeichnung, 50% nach Aufbau)
    VergütungsbestandteileAuflistung: Materialpauschale, Reisekosten, Versicherungsübernahme, ggf. Unterkunft
    Reisekosten & SpesenDefinition, Erstattung gegen Belege oder Pauschale
    Copyright & NutzungsrechteRegelung über Reproduktionsrechte für Katalog, Website (Dauer, Zweck, Honorare für weitere Nutzungen)
    VersicherungWer trägt Versicherungskosten für Transport und Ausstellung? Bedingungen
    Abbruch & HaftungRegeln für Projektabbruch, Haftungsbegrenzung
    Widerruf / KündigungFristen und mögliche Entschädigungen
    StreitbeilegungGgf. Gerichtsstand oder Mediationsklausel
    UnterschriftenDatum, Unterschrift Künstlerin/Künstler und Institution

    Wenn das Budget wirklich zu klein ist: kreative Lösungen

    Es gibt Situationen, in denen kein finanzieller Spielraum besteht. Hier einige kreative, aber faire Alternativen, die ich persönlich nutze oder empfehle:

  • In-Kind-Leistungen — professionelle Fotos, Katalogeintrag, Pressearbeit oder Fahrkostenerstattung statt Honorar.
  • Residency- oder Produktionszeit — statt Honorar kann finanzierte Produktionszeit oder Atelierräume angeboten werden.
  • Ko-Finanzierung — Suche nach Partnern (Stiftungen, Kulturämter, Sponsoren), die sich an Honoraren beteiligen.
  • Schrittweise Produktion — Projekt in modulare Schritte aufteilen, die separat finanziert werden können.
  • Nachverhandlung und Follow-up

    Nach Abschluss des Projekts ist die Dokumentation wichtig. Belege, Fotos und ein kurzes Reportage-Heft (auch digital) erhöhen deine Sichtbarkeit und dienen als Argumentationshilfe bei künftigen Verhandlungen. Wenn die Institution zufriedengestellt ist, bitte um eine kurze schriftliche Referenz — das hilft dir bei der Finanzierung zukünftiger Projekte.

    Wenn Sie konkrete Fälle oder eine personalisierte Vertragsvorlage möchten, schreiben Sie mir gerne über das Kontaktformular auf https://www.kunstverein-badvilbel.de — ich unterstütze regelmäßig Künstler*innen bei solchen Verhandlungen und kann Musterverträge anpassen.