Wenn ich eine regionale Ausstellung vorbereite, denke ich früh an Social Media — aber nicht als Anhang, sondern als integralen Teil der kuratorischen Arbeit. Ein klarer 30-Tage-Fahrplan hilft mir, Aufmerksamkeit aufzubauen, lokale Netzwerke zu aktivieren und authentische Geschichten zu erzählen. Hier teile ich meine erprobte Struktur für den Einsatz von lokalen Micro-Influencern (1k–50k Follower) kombiniert mit direktem Community-Engagement.

Grundprinzipien, bevor du startest

Für mich gelten drei Regeln: Authentizität, Mehrwert, Transparenz. Micro-Influencer erreichen besonders gut lokal verankerte Communities, weil ihre Posts persönlicher wirken. Wähle Influencer, die thematisch passen — Kunstpädagog*innen, Lokalblogger*innen, Kulturvermittler*innen, Fotoenthusiast*innen — nicht nur solche mit einer hohen Followerzahl.

Vorbereitung (Tag -10 bis Tag 0): Recherche, Briefing, Material

Ich beginne immer mit einer kurzen Recherche- und Briefingphase. In dieser Zeit sammle ich Inhalte, lege KPI fest und erstelle ein Angebot für die Zusammenarbeit.

  • Definiere Ziele: Besucherzahlen? Newsletter-Anmeldungen? Ticketverkäufe? Reichweite?
  • Wähle 5–10 passende Micro-Influencer in der Region aus (Instagram, TikTok, Facebook, lokale Blogs).
  • Bereite ein kurzes Media-Kit: Ausstellungsfactsheet, hochauflösende Bilder, Pressetext, Hashtags, Link zur Veranstaltungsseite.
  • Erstelle ein einfaches Angebot: Honorar oder Tausch (Eintritt + Führung, Printmaterial, Einladung zur Eröffnung).
  • Kommunikation mit Influencern

    Ich schreibe persönliche Nachrichten statt Massenmails. So sieht ein kurzes Template in meinem Kopf aus:

  • Vorstellung in 2 Sätzen (wer ich bin, was der Kunstverein macht).
  • Warum die Zusammenarbeit relevant ist (lokaler Fokus, Audience-Übereinstimmung).
  • Was ich anbiete (Bezahlung oder Gegenleistung) und welche Post-Formate ich mir vorstelle.
  • Konkrete Deadlines und der Call-to-Action (Ticketlink, Event-Anmeldung).
  • 30-Tage-Fahrplan — Wochenübersicht

    Ich arbeite in vier Phasen: Teaser, Intensivierung, Eröffnung & Eventwoche, Nachbereitung. Hier eine kompakte Woche-für-Woche-Übersicht:

    Zeitraum Hauptziel Konkrete Aktionen
    Tag -10 bis Tag 0 Vorbereitung & Partnergewinnung Influencer-Auswahl, Briefing, Content-Sammlung, Terminabsprachen
    Tag 1–7 Teasing Teaser-Posts, Behind-the-Scenes, Countdown, Influencer kündigen die Zusammenarbeit an
    Tag 8–21 Intensivierung Interviews, IG Live, Story-Takeovers, Ticket-Reminder, Posts über Künstler*innen
    Tag 22–30 Eröffnung & Nachbereitung Event-Posts, Live-Berichterstattung, Dankesposts, Besucher-Umfragen, Recap

    Beispiele für Content-Formate

    Ich achte darauf, Formate zu mischen, damit die Channel lebendig bleiben:

  • Short-Video (Reels/TikTok): 15–30 Sekunden Einblicke ins Atelier oder Aufbau.
  • Instagram Stories: Countdown-Sticker, Umfragen, Swipe-up/Link Sticker.
  • IG Live oder Facebook Live: Kurze Künstlergespräche (20–30 Minuten).
  • Carousel-Posts: Werkdetails + kuratorischer Text (nutze prägnante Bildunterschriften).
  • Blogbeitrag auf kunstverein-badvilbel.de, den Influencer im Post verlinken können.
  • Konkrete Posting-Ideen nach Woche

    Ich gebe dir eine schnelle Liste, die sich direkt einsetzen lässt:

  • Teaser-Woche: „Etwas Großes kommt nach Bad Vilbel“ — Bild vom leeren Raum + Datum.
  • Intensivierungs-Woche: Clip mit Künstlerin, die über ein Werk spricht; Einladung zum Vernissage-Event.
  • Eventwoche: Live-Aufnahmen von der Eröffnung; kurze Testimonials von Besucher*innen.
  • Nachbereitung: Highlight-Video, Foto-Slide mit Besucherzahlen und Danksagung.
  • Kooperationsbedingungen & Rechte

    Ich mache alles transparent: Wer zahlt, welche Inhalte entstehen, und wie lange die Inhalte verwendet werden dürfen. Übliche Punkte in meinem Mini-Vertrag:

  • Leistung: Anzahl Posts/Stories/Reels, Dauer der Story-Archivierung.
  • Vergütung: Pauschale, Eintritt+Führung oder Sachleistungen.
  • Rechte: Nutzungsrechte für Vereinskanäle, Nennung des Influencers bei Weiterverwendung.
  • Kennzeichnungspflicht: Klarer Hinweis auf Kooperation (z. B. #Anzeige).
  • Promotion & Reichweite steigern

    Ein paar Hebel, die ich regelmäßig nutze:

  • Cross-Promotion: Influencer posten auf mehreren Kanälen, wir teilen die Inhalte auf den Vereinskanälen.
  • Gezielte Ads: Einen kleinen Budget-Boost (z. B. 50–150 €) für Top-Posts, um lokale Reichweite zu erhöhen.
  • Eventpartner: Lokale Cafés oder Buchhandlungen als Multiplikatoren gewinnen.
  • Messung: Welche Kennzahlen zählen?

    Ich messe nicht nur Likes. Für mich sind diese KPIs zentral:

  • Engagement-Rate (Likes+Kommentare/Impressions) — zeigt Resonanz.
  • Clicks auf den Eventlink / Ticketverkauf — zeigt Conversion.
  • Story-Views & Swipe-ups — Interesse am Format.
  • Neue Follower aus der Region — Wachstum des lokalen Publikums.
  • Besucherfeedback & Anzahl der tatsächlichen Besucher — ultimative Erfolgsmessung.
  • Tipps aus der Praxis

    Einige Learnings, die sich bei mir bewährt haben:

  • Wähle lieber wenige, sehr passende Influencer als viele irrelevante.
  • Gib Influencern kreative Freiheit — sie kennen ihre Community am besten.
  • Plane Zeit für persönliche Treffen ein; reale Begegnungen führen zu besseren Inhalten.
  • Nutze Tools wie Later, Buffer oder das Creator Studio für Planung und Reporting.
  • Testformate: Manches funktioniert lokal besser als global — z. B. Mini-Podcast-Interviews oder Fotowalks.
  • Ich sehe Social Media nicht als reine Werbung, sondern als Einladung zur Begegnung. Mit einem klaren 30-Tage-Fahrplan und einer echten Zusammenarbeit mit lokalen Micro-Influencern kannst du sowohl Sichtbarkeit als auch verbindliche Besucherinnen und Besucher gewinnen — und dabei die lokale Kunstszene stärken.