Als Kuratorin und Projektleiterin habe ich im Laufe der Jahre zahlreiche Förderanträge geschrieben — erfolgreiche ebenso wie solche, aus denen ich gelernt habe. In diesem Text möchte ich meine erprobte, pragmatische Schritt-für-Schritt-Leitung teilen: von der ersten Idee bis zum finalen Antrag. Ich schreibe direkt und persönlich, mit konkreten Formulierungs- und Strukturhinweisen, damit ihr eure Projekte mit größerer Sicherheit einreichen könnt.

Die Idee schärfen: Warum ist euer Projekt wichtig?

Bevor ihr an Fördergeber denkt, stellt euch drei Fragen und beantwortet sie knapp auf einem Blatt:

  • Welches Bedürfnis oder welche Lücke füllt das Projekt?
  • Welches Publikum wird erreicht und auf welche Weise?
  • Was ist das konkrete Ergebnis (Ausstellung, Workshopreihe, Publikation, Residenz)?
  • Ich formuliere diese Antworten manchmal als elevator pitch — eine ein- bis zweizeilige Aussage, die das Projekt auf den Punkt bringt. Diese Kurzbeschreibung hilft später beim Abstract des Antrags und bei Gesprächen mit Partnern oder Förderstellen.

    Fördergeber recherchieren: Wo passt mein Projekt hin?

    Nicht jede Förderstelle passt zu jedem Projekt. Ich nutze mehrere Quellen:

  • Förderdatenbanken wie Kulturförderpunkt oder die Webseiten lokaler Kulturämter.
  • Newsletter von Stiftungen (z. B. Stiftung Kunstfonds, Kulturstiftung des Bundes) und regionale Kulturplattformen.
  • Netzwerkgespräche: oft haben Kolleginnen und Kollegen Empfehlungen oder Hinweise auf spezielle Programme.
  • Wichtig ist, die Förderrichtlinien genau zu lesen: Fördergegenstände, Laufzeit, Finanzierungsquote (anteilig/volle Finanzierung), Ausschlusskriterien und formale Vorgaben.

    Projektplan erstellen: Ziel, Maßnahmen, Zeitplan

    Ich gliedere meinen Projektplan in klare Bausteine:

  • Ziele: Hauptziel + maximal drei konkrete Zwischenergebnisse.
  • Maßnahmen: Was passiert wann und wer ist verantwortlich?
  • Methodik: Welche Arbeitsweise, welchen kuratorischen Ansatz oder welches Vermittlungskonzept setze ich ein?
  • Evaluation: Wie messen wir Erfolg? (Besucherzahlen, Teilnehmerfeedback, Presse, Dokumentation)
  • Ein einfacher Zeitplan in Tabellenform hilft Gutachtern, den Ablauf schnell zu erfassen. Beispiel:

    MonatMaßnahmeVerantwortliche
    Monat 1–2Finalisierung Konzeption, Künstler*innenauswahlKuratorin, Produktion
    Monat 3–4Umsetzung (Produktion, Aufbau)Produktionsteam, Techniker*innen
    Monat 5Eröffnung, VermittlungsprogrammKuratorin, Vermittlung

    Budget: realistisch, nachvollziehbar, vollständig

    Ein aussagekräftiges Budget ist oft das entscheidende Kriterium. Ich arbeite mit drei Grundregeln:

  • Alle Posten müssen mit Begründung erscheinen (z. B. Honorar Künstlerin: 3.000 € – inkl. VHB, 10 Arbeitstage).
  • Trenne Personalkosten, Sachkosten, Reise/Transport, Produktion, Öffentlichkeitsarbeit und Nebenkosten (Versicherung, Müllentsorgung, Reinigung).
  • Füge eine Einnahmen-Übersicht hinzu: Eigenmittel, Drittmittel, beantragte Fördersumme, erwartete Eintrittsgelder, Sponsoring.
  • Typische Posten:

  • Honorare für Künstler*innen, Kurator*in und Vermittler*innen
  • Material- und Produktionskosten (Druck, Bühnenbau, technische Ausstattung)
  • Transport und Versicherungen
  • Raummiete, Nebenkosten
  • Öffentlichkeitsarbeit (Grafik, Druckkosten, Social Media Ads)
  • Ich empfehle, eine kleine Reserve (5–10 %) einzuplanen — viele Funders akzeptieren das, solange es transparent ausgewiesen ist. Wenn möglich, zeige bereits bestätigte Eigenmittel oder Ko-Finanzierungen; das stärkt die Glaubwürdigkeit.

    Textliche Gestaltung des Antrags: Klarheit schlägt Blabla

    Förderjury liest viele Anträge — macht es ihnen leicht. Meine Tipps:

  • Kurzer, prägnanter Einleitungstext (Abstract) — 2–3 Sätze.
  • Gliedert den Antrag in logisch lesbare Abschnitte mit Zwischenüberschriften.
  • Vermeidet jargonlastige Formulierungen und Übertreibungen; belegt Aussagen lieber mit Zahlen oder kurzen Beispielen.
  • Nutzt aktive Verben: "Wir entwickeln", "Wir zeigen", "Wir evaluieren".
  • Ein Beispiel-Satz für den Projektzweck: „Das Projekt schafft einen öffentlichen Diskursraum für lokale Künstlerinnen und bündelt partizipative Vermittlungsformate, um das Publikumsengagement nachhaltig zu stärken.“

    Unterlagen, Formalien, und häufige Stolperfallen

    Meist verlangt werden:

  • Projektbeschreibung
  • Budget + Finanzierungsplan
  • Lebensläufe / Portfolio der Projektverantwortlichen
  • Angebote oder Kostenschätzungen (z. B. für Produktion oder Technik)
  • Nachweise über frühere Projekte (Referenzen)
  • Häufige Fehler, die ich sehe:

  • Unvollständige Unterlagen (fehlende Unterschriften, nicht ausgefüllte Anlagen)
  • Unklare Rollenverteilung (wer macht was?)
  • Zu optimistische Zeitpläne ohne Puffer
  • Budgetposten ohne Begründung oder Basisangebote
  • Partnerschaften und Kooperationen: Glaubwürdig und realistisch

    Kooperationen stärken Anträge: Ein Museum, eine Schule, ein lokaler Verein oder ein Medienpartner können Ressourcen, Räume oder Publikum beitragen. Ich sichere Kooperationen schriftlich (Letter of Intent) — keine Absichtserklärungen zu haben, kann als Risiko gewertet werden.

    Evaluation und Nachhaltigkeit: Was bleibt?

    Funders fragen zunehmend: Welche Wirkung hat das Projekt über die Laufzeit hinaus? Ich beschreibe zwei Ebenen:

  • Direkte Wirkung: Besucher*innenzahlen, Workshops, Publikationsauflage.
  • Langfristige Effekte: Netzwerkbildung, Folgeprojekte, Einbindung lokaler Akteur*innen.
  • Messinstrumente: Besucherbefragungen, qualitative Interviews, Social-Media-Analysen oder eine abschließende Projektdokumentation als PDF/Print.

    Einreichung, Fristen, und Nachbereitung

    Beachtet Deadlines und reicht nicht erst am letzten Tag ein — technische Probleme sind möglich. Nach der Einreichung notiere ich mir die Referenznummer und frage freundlich nach dem zeitlichen Ablauf des Bescheids. Wenn der Antrag abgelehnt wird, bitte um ein Feedbackgespräch: Viele Jurys geben Hinweise, die für die nächste Runde Gold wert sind.

    Wenn der Antrag bewilligt wird, folgt die Vertragsphase: Lest Verträge genau (Verwendungszweck, Berichtspflichten, Auszahlungstermine) und plant Reporting-Zeiten ein — Endberichte wollen gut dokumentiert sein.

    Wenn ihr möchtet, kann ich euch beim Ausbau eurer Projektbeschreibung oder beim Durchsehen des Budgets helfen — schreibt mir eine Mail mit Kurzbeschreibung und Budgetentwurf. Ich prüfe das gern und gebe konkrete Formulierungsvorschläge.