Als Kuratorin und Projektleiterin habe ich im Laufe der Jahre zahlreiche Förderanträge geschrieben — erfolgreiche ebenso wie solche, aus denen ich gelernt habe. In diesem Text möchte ich meine erprobte, pragmatische Schritt-für-Schritt-Leitung teilen: von der ersten Idee bis zum finalen Antrag. Ich schreibe direkt und persönlich, mit konkreten Formulierungs- und Strukturhinweisen, damit ihr eure Projekte mit größerer Sicherheit einreichen könnt.
Die Idee schärfen: Warum ist euer Projekt wichtig?
Bevor ihr an Fördergeber denkt, stellt euch drei Fragen und beantwortet sie knapp auf einem Blatt:
Ich formuliere diese Antworten manchmal als elevator pitch — eine ein- bis zweizeilige Aussage, die das Projekt auf den Punkt bringt. Diese Kurzbeschreibung hilft später beim Abstract des Antrags und bei Gesprächen mit Partnern oder Förderstellen.
Fördergeber recherchieren: Wo passt mein Projekt hin?
Nicht jede Förderstelle passt zu jedem Projekt. Ich nutze mehrere Quellen:
Wichtig ist, die Förderrichtlinien genau zu lesen: Fördergegenstände, Laufzeit, Finanzierungsquote (anteilig/volle Finanzierung), Ausschlusskriterien und formale Vorgaben.
Projektplan erstellen: Ziel, Maßnahmen, Zeitplan
Ich gliedere meinen Projektplan in klare Bausteine:
Ein einfacher Zeitplan in Tabellenform hilft Gutachtern, den Ablauf schnell zu erfassen. Beispiel:
| Monat | Maßnahme | Verantwortliche |
|---|---|---|
| Monat 1–2 | Finalisierung Konzeption, Künstler*innenauswahl | Kuratorin, Produktion |
| Monat 3–4 | Umsetzung (Produktion, Aufbau) | Produktionsteam, Techniker*innen |
| Monat 5 | Eröffnung, Vermittlungsprogramm | Kuratorin, Vermittlung |
Budget: realistisch, nachvollziehbar, vollständig
Ein aussagekräftiges Budget ist oft das entscheidende Kriterium. Ich arbeite mit drei Grundregeln:
Typische Posten:
Ich empfehle, eine kleine Reserve (5–10 %) einzuplanen — viele Funders akzeptieren das, solange es transparent ausgewiesen ist. Wenn möglich, zeige bereits bestätigte Eigenmittel oder Ko-Finanzierungen; das stärkt die Glaubwürdigkeit.
Textliche Gestaltung des Antrags: Klarheit schlägt Blabla
Förderjury liest viele Anträge — macht es ihnen leicht. Meine Tipps:
Ein Beispiel-Satz für den Projektzweck: „Das Projekt schafft einen öffentlichen Diskursraum für lokale Künstlerinnen und bündelt partizipative Vermittlungsformate, um das Publikumsengagement nachhaltig zu stärken.“
Unterlagen, Formalien, und häufige Stolperfallen
Meist verlangt werden:
Häufige Fehler, die ich sehe:
Partnerschaften und Kooperationen: Glaubwürdig und realistisch
Kooperationen stärken Anträge: Ein Museum, eine Schule, ein lokaler Verein oder ein Medienpartner können Ressourcen, Räume oder Publikum beitragen. Ich sichere Kooperationen schriftlich (Letter of Intent) — keine Absichtserklärungen zu haben, kann als Risiko gewertet werden.
Evaluation und Nachhaltigkeit: Was bleibt?
Funders fragen zunehmend: Welche Wirkung hat das Projekt über die Laufzeit hinaus? Ich beschreibe zwei Ebenen:
Messinstrumente: Besucherbefragungen, qualitative Interviews, Social-Media-Analysen oder eine abschließende Projektdokumentation als PDF/Print.
Einreichung, Fristen, und Nachbereitung
Beachtet Deadlines und reicht nicht erst am letzten Tag ein — technische Probleme sind möglich. Nach der Einreichung notiere ich mir die Referenznummer und frage freundlich nach dem zeitlichen Ablauf des Bescheids. Wenn der Antrag abgelehnt wird, bitte um ein Feedbackgespräch: Viele Jurys geben Hinweise, die für die nächste Runde Gold wert sind.
Wenn der Antrag bewilligt wird, folgt die Vertragsphase: Lest Verträge genau (Verwendungszweck, Berichtspflichten, Auszahlungstermine) und plant Reporting-Zeiten ein — Endberichte wollen gut dokumentiert sein.
Wenn ihr möchtet, kann ich euch beim Ausbau eurer Projektbeschreibung oder beim Durchsehen des Budgets helfen — schreibt mir eine Mail mit Kurzbeschreibung und Budgetentwurf. Ich prüfe das gern und gebe konkrete Formulierungsvorschläge.