Als Kuratorin und Redakteurin von Kunstverein Badvilbel sehe ich täglich zahlreiche Bewerbungen. Manche bleiben mir im Gedächtnis, andere eher weniger. Wenn du dich fragst, wie du mit einem Bewerbungskonzept wirklich punkten kannst, schreibe ich hier aus Erfahrung: Es geht weniger um brillante Effekthascherei als um Klarheit, Kontext und eine gut durchdachte Präsentation deiner künstlerischen Arbeit.

Verstehe, worauf ein lokaler Kunstverein Wert legt

Ein Kunstverein wie unserer (https://www.kunstverein-badvilbel.de) sucht nicht nur nach „starken“ Positionen, sondern nach Arbeiten, die in den lokalen Kontext passen, dialogfähig sind und ein Publikum erreichen können. Das bedeutet:

  • Relevanz für die lokale Community (Regionale Bezüge, Themen mit öffentlichem Interesse)
  • Kuratorische Durchdringung (Warum diese Arbeit jetzt? Welche Fragen werden damit ausgelöst?)
  • Praktische Umsetzbarkeit (Raum, Budget, zeitlicher Rahmen)
  • Wenn du diese drei Ebenen im Blick hast, hast du bereits einen großen Vorteil.

    Was ein überzeugendes Bewerbungskonzept enthalten sollte

    Ein Konzept ist keine Verkaufsbroschüre — es ist ein Werkzeug zur Kommunikation deiner Idee. Ich erwarte von einer Bewerbung folgende Kernbestandteile:

  • Kurzbeschreibung (1–2 Absätze): Eine prägnante Zusammenfassung deiner Idee. Keine langen Einleitungen, sondern der Kern: Was zeigst du? Welche Medien? Worin liegt die Intention?
  • Projektbeschreibung: Eine ausführlichere Darstellung (max. 1–2 Seiten). Hier erläuterst du Prozess, Materialität, Arbeitsweisen und formale Überlegungen.
  • Kontext & Relevanz: Warum ist dieses Projekt jetzt relevant? Verweise auf gesellschaftliche, lokale oder kunsthistorische Bezüge.
  • Umsetzung & Logistik: Raumansprüche, technische Voraussetzungen, Daueraufbau, Hängung, Anzahl der Exponate, benötigte Hilfskräfte.
  • Budgetübersicht: Realistische Kostenaufstellung (Material, Transport, Versicherung, Honorar). Ein vollständiges Budget signalisiert Professionalität.
  • Zeitplan: Von der Produktion bis zur Abwicklung nach der Ausstellung. Wer macht was wann?
  • Bio & Portfolio: Kurzbiografie, Statement, Arbeitsproben (hochaufgelöst, max. 10–15 Bilder/Projekte), Ausstellungs- oder Projekt-Vita
  • Kontakt & Medien: Telefonnummer, E-Mail, Social Media, Website.
  • Praktische Tipps zur Sprache und Präsentation

    Schreibe klar und bildhaft. Vermeide zu viel Fachjargon — stelle dir vor, du erklärst das Projekt einer interessierten Person, die nicht in deinem Feld arbeitet. Kleine sprachliche Tricks, die oft wirken:

  • Eröffne mit einem prägnanten Satz, der die Aufmerksamkeit fängt.
  • Nutze Zwischenüberschriften, um das Konzept zu strukturieren.
  • Markiere zentrale Begriffe mit fett, wichtige Zitate mit kursiv.
  • Verwende Bilder und Skizzen: Ein Raumplan oder Moodboard sagt mehr als 500 Worte.
  • Wie du die lokale Relevanz hervorhebst

    Für einen Verein, der lokal verwurzelt und international vernetzt arbeitet, ist die Verbindung zur Region ein Pluspunkt. Das kann so aussehen:

  • Recherche zu aktuellen lokalen Themen (Stadtentwicklung, Umweltfragen, Soziales). Gibt es Überschneidungen mit deinem Projekt?
  • Kooperationen mit lokalen Akteur*innen (Schulen, Initiativen, Handwerksbetriebe): Zeige mögliche Partner oder Formate mit Beteiligung.
  • Partizipative Elemente: Formate wie Workshops, Artist Talks oder Community-Projekte stärken die Sichtbarkeit und sind für Vereine attraktiv.
  • Visualisierung: Bilder, Pläne, Medien

    Bilder sind oft das erste, was ich anschaue. Achte auf folgende Punkte:

  • Hohe Bildqualität (300 dpi für Druck, 72–150 dpi für Web, aber immer scharf und farbgetreu).
  • Kontextbilder (Werke im Arbeitsprozess, Raumansichten, Detailaufnahmen).
  • Skizzen und Moodboards: Ein einfacher Grundriss mit Maßen hilft enorm bei der Einschätzung.
  • Element Warum wichtig
    Bilder der Arbeiten Visualisieren Stil und handwerkliche Qualität
    Grundriss/Pläne Zeigen Machbarkeit im Ausstellungsraum
    Moodboard Vermittelt Stimmung und kuratorische Idee

    Budget und Realitätssinn

    Ein realistisches Budget ist ein Zeichen von Professionalität. Viele Bewerber*innen unterschätzen Kosten für Transport, Versicherung und Aufbau. Rechne konservativ und weise einzelne Posten aus. Wenn bestimmte Zuschüsse oder Leihgaben geplant sind, vermerke das. Ich empfehle, immer einen kleinen Puffer (5–10 %) für unvorhergesehene Ausgaben einzuplanen.

    Wie du mit dem Kuratorischen Team kommunizierst

    Nach der Einreichung ist Proaktivität gefragt, aber ohne Nachdruck. Schreibe eine freundliche, kurze Follow-up-E-Mail nach angemessener Zeit (z. B. 6–8 Wochen), wenn keine Rückmeldung kam. Wenn du zu einem Gespräch eingeladen wirst:

  • Sei vorbereitet: Drucke dein Konzept aus, bringe Bilder auf einem USB-Stick mit und formuliere klare Antworten zu Raum- und Finanzfragen.
  • Höre zu: Kurator*innen bringen oft konkrete Hinweise oder Einschränkungen ein — Flexibilität ist ein Plus.
  • Fehler, die du vermeiden solltest

    Aus meiner Erfahrung sind folgende Stolperfallen häufig:

  • Zu vage Konzepte ohne Umsetzungsplan
  • Unrealistische Budgetangaben
  • Zu viele technische Anforderungen ohne Begründung
  • Fehlende Visualisierungen
  • Keine Erwähnung von Teilhabeformaten oder Vermittlungskonzept
  • Was uns wirklich beeindruckt

    Am meisten überzeugen Projekte, die eine klare künstlerische Haltung mit einer durchdachten Umsetzbarkeit verbinden. Besonders stark sind Konzepte, die:

  • lokale Bezüge herstellen, ohne provinziell zu wirken
  • partizipative oder vermittelnde Formate enthalten
  • einen erkennbaren Prozess zeigen (Skizzen, Work-in-Progress, Proben)
  • transdisziplinär denken und verschiedene Formate miteinander verknüpfen
  • Wenn du magst, kannst du dein Konzept anonym in unserem Open Call einreichen oder mich direkt per E-Mail anschreiben. Ich lese Bewerbungen gerne mit Blick darauf, wie ein Projekt sich in unser Programm einfügen und mit dem Publikum ins Gespräch kommen kann. Viel Erfolg bei deiner Einreichung — und denke daran: Ein gutes Konzept ist klar, ehrlich und zeigt, dass du an die Umsetzung gedacht hast.