Als Kuratorin und Redakteurin des Kunstverein Badvilbel begleite ich seit Jahren junge Künstler*innen, beobachte Förderstrukturen und suche aktiv nach Wegen, wie lokale Initiativen echte Wirkung entfalten können. Die jüngste Lokalförderung für junge Künstler*innen in unserer Region hat mich deshalb nicht nur aufmerksam gemacht, sondern überzeugt — und zwar aus konkreten, praktischen Gründen, nicht nur aus gutem Willen.
Warum lokale Förderung mehr ist als nur Geld
Geld hilft, das ist klar. Aber Förderung wirkt nachhaltig, wenn sie über die reine Zuschussgabe hinausgeht. In den Projekten, die ich betreue, erlebe ich immer wieder, dass die Kombination aus finanzieller Unterstützung, Räumen, Mentoring und Sichtbarkeit den Unterschied macht. Lokale Förderprogramme können diese Kombination besonders gut liefern, weil sie kurze Wege, persönlichen Austausch und ein Verständnis für regionale Bedürfnisse bieten.
Konkrete Elemente, die die neue Förderstruktur stark machen
- Mehrstufige Förderung: Nicht jede künstlerische Praxis braucht dieselben Mittel. Die neue Struktur bietet Mikrostipendien für experimentelle Vorhaben, Projektzuschüsse für Ausstellungen und Reisekostenzuschüsse für Austauschprojekte.
- Räumliche Zugänge: Kostenfreie Arbeitsräume und Ateliers für begrenzte Zeit mindern die Startbarriere für junge Künstler*innen enorm. Ein leerstehender Ladenlokal wird so temporär zur Projektfläche — sichtbar und mitten in der Stadt.
- Mentoring und Peer-Netzwerke: Erfahrene Kurator*innen, Künstler*innen und Kulturmanager*innen begleiten die Stipendiat*innen. Das ist Wissenstransfer in Echtzeit und verhindert, dass gute Ideen im administrativen Dschungel verloren gehen.
- Vernetzung mit Bildungsinstitutionen: Kooperationen mit Hochschulen und Volkshochschulen schaffen Brücken zwischen Studium und Praxis — und generieren Publikum, das neugierig, aber offen ist.
- Kommunikationsbudget: Sichtbarkeit ist oft teurer als die Produktion. Kleinere Budgets für Fotografie, Social Media oder eine Pressetexterstellung sorgen dafür, dass Projekte nicht nur entstehen, sondern auch wahrgenommen werden.
Was ich konkret beobachte — Beispiele aus der Praxis
Neulich unterstützte ein kleines Stipendium eine Bildhauerin, die mit recycelten Materialien arbeitet. Mit gerade einmal 800 Euro Materialgeld und der Zuweisung eines temporären Ateliers konnte sie nicht nur ihre Arbeiten fertigstellen, sondern auch eine kleine Ausstellung in einem leerstehenden Schaufenster realisieren. Das Resultat: Verkauf einer Arbeit, drei Einladungen zu Gruppenausstellungen und eine Einladung zu einem Residenzprogramm — alles innerhalb eines Jahres.
Ein anderes Beispiel betrifft eine Gruppe junger Medienkünstler*innen, die ein experimentelles Filmprojekt planten. Die Förderung bot zusätzliches Kameraequipment über eine Woche sowie ein Mentoring mit einer Filmkuratorin. Technische Hürden waren schnell überwunden, und das Team konnte das Projekt in einem lokalen Kulturzentrum zeigen. Die Rückmeldungen aus dem Publikum waren so wertvoll, dass sie das Projekt für ein Festival im Ausland weiterentwickeln konnten.
Häufige Fragen von Künstler*innen — und meine Antworten
- „Brauche ich bereits Referenzen oder Ausstellungen, um mich zu bewerben?“ Nein. Die stärksten Anträge beschreiben ein klares Vorhaben, Realisierbarkeit und ein Nachdenken über Wirkung — nicht nur eine lange Vita. Das Programm legt bewusst Wert auf Potenzial.
- „Wie detailliert muss der Finanzplan sein?“ Detailreich genug, um die Kosten zu rechtfertigen, aber realistisch. Listen für Material, Miete, Honorare für Mitwirkende und Kommunikation sind besonders hilfreich.
- „Was zählt als Nachweis von Wirkung?“ Dokumentation (Fotos, Kurztexte), Besucher*innenzahlen bei Veranstaltungen, Kooperationen, Veröffentlichungen oder residuelle Effekte wie Folgeprojekte.
- „Gibt es Feedback bei Ablehnungen?“ Gute Programme bieten eine Feedbackrunde. Nutzt dieses Gespräch — es ist oft hilfreicher als die Förderung selbst.
Tipps für eine erfolgreiche Bewerbung
- Erzähle eine klare Geschichte: Was soll entstehen, warum jetzt, und wer profitiert davon?
- Zeige Realisierbarkeit: Zeitplan, Budget, technische Anforderungen und ein Plan B für unvorhergesehene Probleme.
- Nutze lokale Besonderheiten: Verweise auf regionale Netzwerke, Orte oder Kooperationen, die dein Projekt einzigartig machen.
- Kommuniziere Wirkung: Wie erreichst du Publikum, welche langfristigen Effekte strebst du an?
- Lege Material bei, das deine Praxis zeigt: Arbeitsproben, kurze Projektvideos oder ein Portfolio — digital optimiert.
Welche langfristigen Effekte ich mir wünsche
Lokale Förderung sollte nicht nur einzelne Projekte ermöglichen, sondern Ökosysteme stabilisieren. Ich wünsche mir, dass durch diese Förderpakete:
- ein fester Pool an Ateliers und Projektflächen entsteht,
- junges künstlerisches Talent längerfristig in der Region gehalten wird,
- Nachwuchs Zugang zum professionellen Markt erhält, und
- Netzwerke zwischen Akteur*innen in Stadt, Land und international wachsen.
Wie der Kunstverein Badvilbel sich einbringt
Auf kunstverein-badvilbel.de publizieren wir regelmäßige Ausschreibungen, bieten Raum für Vernetzungstreffen und kuratieren Präsentationsformate, die junge Positionen sichtbar machen. Ich lade Künstler*innen ausdrücklich ein, uns Projektideen zu schicken — ob für eine Schaufenster-Ausstellung, ein gemeinsames Workshop-Format oder eine Magazin-Kooperation.
Konkrete nächste Schritte für Interessierte
- Informiert euch über die Förderrichtlinien eurer Gemeinde und der Region — oft gibt es mehrere kleine Programme, die kombinierbar sind.
- Bereitet eine Kurzpräsentation eures Vorhabens (1–2 Seiten) vor, die ihr unkompliziert an Förderstellen und Kulturpartner schicken könnt.
- Knüpft lokale Allianzen: Ein Kulturzentrum, eine lokale Werkstatt oder ein Ladenbesitzer*innen können Türen öffnen.
- Nutzt die Feedbackangebote: Viele Jurymitglieder geben Hinweise, die eure nächste Bewerbung deutlich verbessern.
Wenn ihr Unterstützung beim Formulieren eurer Bewerbung braucht oder Interesse an einer Präsentation im Kunstverein Badvilbel habt, schreibt mir gern eine Nachricht über das Kontaktformular auf https://www.kunstverein-badvilbel.de. Ich lese jede Anfrage persönlich und versuche, so konkret wie möglich zu helfen — durch Feedback, Vermittlung oder Zusammenarbeit bei Projekten.