Als Redakteurin von Kunstverein Badvilbel begegne ich oft Künstlerinnen, deren Arbeit zwischen zwei scheinbar unvereinbaren Materialien Spannung erzeugt. Maria Gonzalez ist so eine Künstlerin: Sie bewegt sich behände zwischen der Weichheit von Textilien und der Härte von Beton und schafft daraus eine ganz eigene Materialpoesie. In diesem Porträt möchte ich Einblicke in ihre Arbeitsweise geben, Fragen beantworten, die mir Besucher und Kolleg*innen häufig stellen, und Anregungen liefern für diejenigen, die selbst mit Mixed Media experimentieren wollen.

Wer ist Maria Gonzalez und warum fasziniert mich ihre Arbeit?

Maria Gonzalez ist eine in Madrid geborene Künstlerin, die seit mehreren Jahren in Barcelona und Berlin ausstellt. Was mich an ihrer Praxis fasziniert, ist ihr konsequenter Bruch mit erwarteten Materialhierarchien: Stoffe, die traditionell mit Körperlichkeit, Wärme und Erinnerung assoziiert werden, trifft sie mit Baustoffen, die für Objektivität, Struktur und Dauerhaftigkeit stehen. Die Kombination wirkt nie künstlich opositional; stattdessen entsteht eine Spannung, die Fragen nach Verletzlichkeit, Schutz und städtischer Identität aufwirft.

Wie entsteht ihre Materialpoesie? Ein Blick in das Atelier

Wenn man Marias Atelier betritt, fällt zuerst die sorgsame Unordnung auf: Stapel aus Baumwollstoffen, alte Quilts, Industrieunfälle wie PVC-Bänder und nebenan Säcke mit Zement. Sie arbeitet mit einer Mischung aus handwerklichen Techniken und industriellen Verfahren. Häufige Schritte in ihrem Prozess sind:

  • Auswahl und Vorbereitung der Textilien (Waschen, Bleichen, Färben)
  • Imprägnierung oder Beschichtung mit Pigmenten und Bindemitteln
  • Einarbeitung von Fasern und Garnen in flüssigen oder pastösen Baustoffen
  • Formgebung mittels Gussformen, Spannrahmen oder direktem Auftragen auf eine Trägerstruktur
  • Maria nutzt dabei sowohl traditionelle Nähtechniken als auch Materialien wie Acrylharze, Polymerzemente und Silikone. Marken wie Schappe-Seide für feinere Texturen oder industrielle Produkte wie Ceresit (für experimentelle Zementmischungen) tauchen in ihrer Materialliste auf. Wichtig ist ihr nicht die Marke an sich, sondern das Verhalten des Materials unter Druck, Feuchtigkeit oder Temperaturwechseln.

    Welche Ideen und Themen stecken hinter ihren Werken?

    Mehrere wiederkehrende Motive prägen Marias Arbeiten:

  • Erinnerung und Bewahrung: Textilien als Träger persönlicher und kollektiver Erinnerungen – etwa Fragmente alter Kleidung, die sie in Beton „einfriert“.
  • Städtische Verhäutungen: Wie Städte ihre Oberflächen, Fugen und Narben zeigen; Beton als Metapher für Infrastruktur, Stoffe als menschliche Schicht darüber.
  • Verletzlichkeit vs. Dauerhaftigkeit: Das Spannungsverhältnis zwischen dem Vergänglichen (Gewebe, Textil) und dem scheinbar Permanenten (Beton).
  • Diese Themen verbindet Maria oft mit einer subtilen Sozialkritik: Wer bestimmt, welche Stoffe als wertvoll gelten? Welche Teile der Stadt werden repariert, welche vernachlässigt? Ihre Arbeiten sind deshalb ästhetisch reizvoll, aber nie nur dekorativ.

    Welche Techniken verwendet sie konkret?

    Maria kombiniert Handarbeit mit technischen Eingriffen. Einige ihrer markanten Techniken:

  • Textil-Betonguss: Eingebrachte Stoffschichten werden mit flüssigem Zement übergossen, so dass die Faserstruktur im Beton als Abdruck erhalten bleibt.
  • Imprägnation und Versteifung: Textilien werden mit Harzen oder Polymeren behandelt, wodurch sie zunehmend steif werden und sich wie skulpturale Objekte verhalten.
  • Quilting trifft Architektur: Gequiltete Elemente werden modular gebaut und als Fassadenelemente oder Installationen montiert.
  • Farb- und Materialchemie: Pigmente, Rostreaktionen und Oxidationen werden bewusst eingesetzt, um Patina und Alterung zu simulieren.
  • Die Balance zwischen Kontrolle und Zufall ist wichtig: Maria lässt Prozesse zu, die chemische Reaktionen, Schrumpfungen und Risse erzeugen. Diese Spuren liest sie als Erzählerinnenstimme in ihrem Material.

    Wie reagieren Besucher*innen auf ihre Werke?

    Die Reaktionen sind oft ambivalent, was ich besonders spannend finde. Einige Menschen stehen vor einem „Beton“-Objekt, erkennen bei genauerem Hinsehen jedoch Stofffasern, Nahtspuren oder gar das Flattern eines gewebten Saums. Dieses Entdecken erzeugt Überraschung, manchmal Irritation. Andere sind berührt von der Kombination aus Intimität und Kälte: Großmütterliche Decken, eingefroren in einer Stadtlandschaft.

    Oft höre ich Fragen wie:

  • „Ist das Objekt schwer? Kann man das anfassen?“ – Maria ermutigt kontrolliertes Berühren bei bestimmten Arbeiten, um die taktile Spannung bewusst zu machen.
  • „Wie beständig sind die Textilanteile im Beton?“ – Durch Imprägnation und Stabilisierung hält vieles erstaunlich lange, aber Maria möchte auch Spuren der Vergänglichkeit sichtbar lassen.
  • „Ist das Kunsthandwerk oder Skulptur?“ – Beides. Die Arbeit sitzt im Grenzbereich und fordert eine Neubewertung handwerklicher Werte.
  • Welche Ausstellungsformate funktionieren für ihre Arbeiten?

    Maria zeigt ihre Werke sowohl im White Cube als auch im öffentlichen Raum. Ich habe sie in einer Galerieinstallation gesehen, in der Lichtführung und Raumakustik die Fragilität der Textilien betonten. Andererseits entfalten ihre Arbeiten im urbanen Kontext eine andere politische Lesbarkeit: Betonteile mit gewebten Elementen an einer Baustelle, an einem verwaisten Hinterhof oder in einer S-Bahn-Station erzeugen unmittelbaren Kontextbezug und steigern die Aufmerksamkeit für städtische Texturen.

    Tipps für Künstler*innen, die mit Textil und Beton experimentieren wollen

    Ich sammle hier praktische Hinweise aus Marias Praxis, die oft bei Workshops gefragt werden:

  • Beginnt mit kleinen Proben: Materialtests mit verschiedenen Zementarten (Portlandzement, Kunstharze) und Wirkstoffen (Admixtures) geben schnell Erkenntnisse.
  • Arbeitsumgebung: Betonstaub und Harzdämpfe erfordern Belüftung und Schutz – Atemschutzmasken, Handschuhe und saubere Arbeitsflächen sind Pflicht.
  • Schichten denken: Ein dünner Harzfilm kann Textilien stabilisieren, bevor sie mit einer Zementschicht versehen werden.
  • Dokumentation: Notiert Mischungsverhältnisse, Trocknungszeiten und Temperaturverläufe – Kunstwerke sind oft Ergebnisse präziser Experimente.
  • Kooperationen: Architekt*innen, Bauingenieur*innen oder Restaurator*innen können wertvolles technisches Know-how beisteuern.
  • Wo kann man Maria Gonzalez sehen?

    Maria stellt regelmäßig in kleineren Galerien und bei biennalen Off-Spaces aus. Ich plane in Kürze eine Gesprächsrunde mit ihr im Rahmen einer Ausstellung im Kunstverein Badvilbel, bei der sie Einblicke in ihren Arbeitsprozess gibt und live Materialtests zeigt. Wenn Sie interessiert sind, abonnieren Sie die Events-Rubrik auf Kunstverein Badvilbel oder schreiben Sie uns direkt über das Kontaktformular auf https://www.kunstverein-badvilbel.de.

    Bei weiteren Fragen zu Marias Techniken oder wenn Sie Interesse an einem Workshop haben, antworte ich gerne persönlich – auf dem Blog, bei einer Führung oder während eines Künstlergesprächs. Maria lädt auch zur Mitwirkung ein: kleine Kollaborationen, textile Spenden oder gemeinschaftliche Installationen sind Teil ihrer Praxis.