Kooperationen mit Schulen eröffnen für mich die spannendste Möglichkeit, Kunstvermittlung direkt in den Lebensalltag junger Menschen zu bringen. Sie sind keine Einbahnstraße: Ich lerne viel über Lehrpläne, Zeitrhythmen und die Bedürfnisse von Lehrkräften, während Schüler*innen in einem praktischen, kreativen Umfeld andere Zugänge zur Kunst finden. In diesem Text teile ich konkrete Strategien, erprobte Methoden und praktische Tipps, damit Schulprojekte nachhaltig und wirkungsvoll aufgebaut werden können.

Warum Schulen als Partner wichtig sind

Schulen sind Orte, an denen gesellschaftliche Teilhabe und ästhetische Bildung zusammenlaufen. Durch Kooperationen kann ich:

  • gerade junge Zielgruppen erreichen, die sonst selten Museen oder Galerien besuchen,
  • lokale Netzwerke stärken und langfristige Beziehungen entwickeln,
  • kreative Kompetenzen fördern, die über fachlichen Kunstunterricht hinausgehen (Kritikfähigkeit, Teamarbeit, Projektmanagement).
  • In meiner Erfahrung gelingt Vermittlung dann besonders gut, wenn Projekte nicht als einmalige Aktion, sondern als partnerschaftlicher Prozess geplant werden.

    Partnersuche: Wie ich passende Schulen finde

    Ich beginne mit einer Kartierung der lokalen Bildungslandschaft: Welche Grundschulen, Gemeinschaftsschulen, Gymnasien und Förderschulen gibt es? Dabei hilft mir meist ein kurzes Telefonat mit dem Sekretariat, um die passenden Ansprechpartner*innen (Kunstlehrkraft, Fachbereichsleiter*in, Schulleitung) zu identifizieren.

    Weitere Wege:

  • Netzwerktreffen der Kommune besuchen,
  • Informationsveranstaltungen für Lehrer*innen (Fortbildungen) anbieten,
  • Empfehlungen durch bereits beteiligte Schulen oder Kolleg*innen nutzen.
  • Projektideen, die funktionieren

    Gute Projekte sind konkret und modular planbar. Beispiele, die sich bewährt haben:

  • Werkstattübergreifende Kunstwochen: Einwöchiges Format mit wechselnden Stationen (Druckwerkstatt, Performance, Fotografieworkshop),
  • Langzeitprojekt „Kunst im öffentlichen Raum“: Schüler*innen gestalten gemeinsam eine Wand im Schulgebäude oder im Stadtraum,
  • Artist-in-Residence an der Schule: Eine*n Künstler*in für mehrere Wochen einbinden,
  • Digitale Portfolioarbeit: Schülerinnen und Schüler erstellen mit Tools wie Padlet oder Google Sites ein Portfolio und reflektieren ihren Prozess.
  • Beim Entwickeln der Idee spreche ich immer konkret über Zeitaufwand, Raumanforderungen und Materialien – das schafft Vertrauen.

    Planungsschritte: Von der Idee zur Umsetzung

    Meine Checkliste für die Projektplanung:

  • Bedarfsanalyse: Was möchte die Schule erreichen (Kompetenzen, Themen, Leistungsnachweise)?
  • Ressourcen klären: Räume, Materialien, Zeitbudget, Personal.
  • Zielgruppen genau definieren: Altersstufen, Anzahl der Klassen, Förderbedarf.
  • Methoden festlegen: Partizipativ, experimentell, ressourcenorientiert.
  • Meilensteine setzen: Kick-off, Zwischenschau, Ausstellung/Präsentation.
  • Dokumentation planen: Fotos, Videos, Reflexionstexte, digitale Portfolios.
  • Ein realistisch kalkuliertes Zeitfenster ist entscheidend. Gerade Schulen haben feste Stundenpläne – ich plane deshalb oft Doppelstunden oder Projekttage ein, die sich gut integrieren lassen.

    Finanzierung und Materialbeschaffung

    Finanzielle Unterstützung lässt sich auf verschiedenen Wegen organisieren:

  • Förderprogramme (z. B. Kultur macht stark, lokale Stiftungen),
  • Ko-Finanzierung durch die Schule (kleiner Betrag für Material),
  • Sponsoring durch lokale Unternehmen (Baumärkte, Künstlerbedarf wie Schmincke oder Faber-Castell),
  • Crowdfunding für besondere Projekte.
  • Für Materialien arbeite ich mit einer Mischung aus professionellen Marken (für pigmentstarke Farben, Papiere) und kostengünstigen, nachhaltigen Alternativen (Upcycling-Materialien, recyceltes Papier). Oft bestelle ich Grundbedarf bei Anbietern wie boesner oder lokal bei einer Bastelhandlung; größere Möbel- oder Ausstellungsinstallationen lassen sich teilweise mit IKEA-Metodiken (modulare Lösungen) kostengünstig realisieren.

    Methoden für inklusives Arbeiten

    Inklusion ist kein Add-on, sondern Grundlage. Meine Praxis beinhaltet:

  • Materialvarianten anbieten (verschiedene Haptiken, leicht zu greifende Werkzeuge),
  • Mehrere Zugangswege zum Thema (visuell, auditiv, haptisch),
  • Kooperative Aufgaben, die verschiedene Fähigkeiten zusammenbringen,
  • Flexibles Zeitmanagement für Schüler*innen mit Unterstützungsbedarf.
  • Ich arbeite gerne mit einfachen, klaren Aufgabenstellungen und offenem Ergebnis – das reduziert Leistungsdruck und fördert kreative Freiheit.

    Kommunikation mit Lehrer*innen und Eltern

    Transparente Kommunikation ist zentral. Ich stelle kurze Projektskizzen, Zeitpläne und eine Materialliste bereit. Wichtig sind:

  • Ein kurzes Briefing für Lehrkräfte vor Projektbeginn,
  • Informationszettel oder digitale Infos für Eltern (Ziele, Termine, Einverständniserklärungen),
  • Regelmäßige Updates per E-Mail oder über die Schulplattform.
  • Bei Exkursionen oder Arbeiten mit sensiblen Inhalten kläre ich rechtzeitig Einverständniserklärungen und dokumentiere Abläufe für die Schule.

    Dokumentation und Sichtbarkeit

    Gute Dokumentation verlängert die Wirkung eines Projekts. Ich nutze:

  • Fotos und kurze Videos (mit Einverständnis),
  • Portfolio-Ordner oder digitale Sammlungen (Google Drive, Padlet),
  • Präsentationen im Schulhaus oder lokalen Raum (Ausstellung, Vernissage),
  • Beiträge auf Kunstverein Badvilbel (https://www.kunstverein-badvilbel.de) zur Sichtbarmachung der Zusammenarbeit.
  • Eine gemeinsame Abschlusspräsentation ist ein starkes Motivationsmoment für Schüler*innen und stärkt die lokale Wahrnehmung des Projekts.

    Evaluation: Wie ich Wirkung messe

    Evaluation kann einfach und wirkungsvoll sein. Methoden, die ich nutze:

  • Kurze Feedbackbögen für Schüler*innen und Lehrkräfte,
  • Reflexionsrunden mit Künstler*innen und Schulteam,
  • Vorher-Nachher-Vergleiche von Portfolios oder ausgestellten Arbeiten,
  • Dokumentation von Besuchszahlen bei Abschlusspräsentationen.
  • Wichtiger als Zahlen sind oft die qualitativen Veränderungen: Haben Schüler*innen neues Selbstvertrauen gezeigt? Wurde ein Thema tiefer bearbeitet?

    Nachhaltigkeit und Anschlussprojekte

    Damit ein Projekt nicht mit der Abschlusspräsentation endet, setze ich auf Anschlussoptionen:

  • Fortbildungen für Lehrkräfte, um Methoden zu verankern,
  • Toolkits und Materiallisten, die Lehrkräfte selbst nutzen können,
  • Wiederkehrende Formate (jährliche Kunsttage, Ausstellungen),
  • Partnerschaften mit lokalen Museen und Galerien, die Praktika oder Workshops anbieten.
  • Oft entstehen aus Schulprojekten längerfristige Kooperationen – das stärkt das kulturelle Leben vor Ort.

    Typische Herausforderungen und wie ich sie löse

    Herausforderungen sind normal. Meine Strategien:

  • Engpässe im Stundenplan: Projekt modular gestalten, so dass einzelne Bausteine flexibel eingesetzt werden können.
  • Materialknappheit: Upcycling-Materialien und Sponsoring anfragen.
  • Motivationsunterschiede innerhalb einer Klasse: Aufgaben differenzieren und Rollen verteilen (Dokumentation, Recherche, Gestaltung).
  • Rechtliche Fragen (Bilder, Einverständniserklärungen): Vorab klare Dokumente erstellen und mit der Schulleitung abstimmen.
  • FormatDauerStärke
    Projekttag1 TagNiedrige Einstiegshürde, hohe Sichtbarkeit
    Projektwoche3–5 TageTieferes Arbeiten, mehr Vielfalt
    LangzeitprojektMonateNachhaltiger Kompetenzaufbau

    Ich freue mich immer über Anfragen und Ideen – sei es für eine kleine Workshopserie oder ein langfristiges Kooperationsformat. Vernetzung, Offenheit und klare Absprachen sind die Zutaten, die aus einer Idee ein erfolgreiches Schulprojekt machen.