Als kuratorisch tätige Kunstschaffende, die in Bad Vilbel arbeitet und lokale Projekte betreut, gebe ich hier persönliche, praxisorientierte Tipps für performative Interventionen im öffentlichen Raum. Diese Hinweise sind erprobt in kleinen Aktionen, partizipativen Formaten und temporären Interventionen — sie sollen helfen, Sicherheit, Wirkung und Vernetzung zu optimieren, ohne die kreativen Freiräume zu beschneiden.
Die Idee konkretisieren: Ziel, Publikum und Ort
Bevor ich überhaupt Material bestelle oder mit Mitwirkenden spreche, kläre ich drei Dinge: Was möchte ich erreichen?, wer ist mein Publikum? und wo soll die Aktion stattfinden? Eine gute Ortswahl ist entscheidend: Plätze mit hoher Aufenthaltsqualität (z. B. Marktplatz, Bahnhofsvorplatz) bringen Sichtbarkeit, ruhigere Orte schaffen Nähe und Intimität. In Bad Vilbel denke ich an die Kurpark-Achse, den Bereich um die Alte Mälzerei oder die Straßen entlang der Nidda — jeder Ort hat seine eigenen Nutzungslogiken.
Konkrete Fragen, die ich mir stelle:
- Ist die Intervention statisch oder mobil?
- Brauche ich Interaktion mit Passant*innen oder ist Beobachtung ausreichend?
- Wie lange soll die Aktion dauern: Minuten, Stunden oder als wiederkehrendes Format?
Rechtliches, Genehmigungen und Risikoabschätzung
Oft unterschätzt: das Verwenden von öffentlichem Raum erfordert manchmal Genehmigungen. Ich kontaktiere frühzeitig das zuständige Ordnungsamt der Stadt Bad Vilbel und frage nach Sondernutzungen, temporären Versammlungen oder Auflagen zur Lautstärke. Musikalische Performances oder das Aufstellen größerer Objekte benötigen meist eine schriftliche Erlaubnis.
Eine simpel gehaltene Checkliste in Tabellenform, die ich immer benutze:
| Frage | Aktion |
|---|---|
| Brauche ich eine Sondernutzungserlaubnis? | Ort beim Ordnungsamt prüfen, Antrag stellen (2–4 Wochen Vorlauf) |
| Gibt es Lärmschutzauflagen? | Messkonzept erstellen, Dezibel-Begrenzung einhalten |
| Sicherheits- oder Hygienerisiken? | Gefährdungsbeurteilung, ggf. Versicherung (Haftpflicht) |
| Strom, Stromaggregate oder Technik? | Genehmigung für Aggregat, sichere Verkabelung, TÜV-geprüfte Geräte |
Praktische Materialien und Technik
Für performative Interventionen bevorzuge ich leicht transportierbare, robuste Materialien. Ein paar Favoriten, die sich in meinen Projekten bewährt haben:
- Mobile Lautsprecher: JBL Charge oder UE Boom sind wetterfest und handlich.
- Wetterfeste Markierungen: Kreide, temporäre Spraykreide (keine permanente Farbe) und Bodenplakate.
- Leichte Bühnenmodule: Klappbänke, faltbare Podeste (z. B. Prolyte Stage Decks in kleinen Formaten) für erhöhte Präsenz.
- Beleuchtung: Akku-LED-Strahler (z. B. Akku-PAR-Lichter) für Abendformate.
- Transparente Schutzmaterialien: Plexiglas oder leichte, durchsichtige Folien, wenn physische Abgrenzung nötig ist.
Ich achte immer auf wetterfeste Verpackung und einfache Transportlösungen (Rollcontainer, Bollerwagen). Praktisch ist auch eine mobile Powerbank mit höherer Kapazität oder ein kleiner Wechselrichter, falls kein Stromanschluss verfügbar ist.
Partizipation organisieren: Einladung und Moderation
Interaktive Formate leben von klarer Einladung und einer freundlichen Moderation. Ich gestalte Einladungen so, dass sie Niedrigschwelligkeit signalisieren: kurze Sätze, klare Startzeiten, barrierefreie Hinweise. Für die Moderation gilt:
- Begrüßung kurz, Aufgabe klar erklären.
- Materialien sichtbar anordnen, damit Teilnehmende sofort einsteigen können.
- Rollen verteilen: Zeitnehmer*in, Dokumentationsperson (Fotos/Video), Sicherheitsperson.
Manchmal arbeite ich mit lokalen Gruppen (Schulen, Senior*innen-Treff, Kulturvereine). Diese Kooperationen bringen Publikum und lokale Legitimität. Für junge Beteiligte ist es sinnvoll, Einverständniserklärungen der Erziehungsberechtigten vorzubereiten, wenn es fotografische Dokumentation gibt.
Dokumentation und Nachbereitung
Dokumentation ist nicht nur Archivierung, sondern Teil der Vermittlung. Ich sorge dafür, dass mindestens eine Person für Foto/Video und eine zweite Person für schriftliche Notizen zuständig ist. Für Videos verwende ich oft ein Smartphone mit Gimbal (z. B. DJI Osmo Mobile) und für Fotos eine spiegellose Kamera wie die Sony Alpha-Serie — beides ist mobil und liefert gute Ergebnisse.
Wichtig: Recht am eigenen Bild beachten. Vor allem bei partizipativen Szenen kläre ich vorab, ob Personen fotografiert werden dürfen. Ich nutze kurze Einwilligungsformulare und biete die Option, nur anonym dokumentiert zu werden.
Kommunikation und Sichtbarkeit
Für die Reichweite kombiniere ich analoge und digitale Kanäle: Aushänge im Viertel, Kooperation mit lokalen Geschäften (z. B. Bäckerei, Buchhandlung), sowie Social-Media-Posts auf Instagram und Facebook. Ich erstelle vorab einen einfachen Pressetext und eine „One-Pager“-Beschreibung als PDF für lokale Medien und Kulturplattformen.
Hashtags, Geotagging und ein kurzer Video-Teaser am Tag der Aktion erhöhen die Aufmerksamkeit. Wenn Budget vorhanden ist, mache ich kleine Flyer oder Postkarten, die nach der Aktion als Erinnerung verteilt werden können.
Sicherheitskultur und Nachbarschaftsbeziehungen
Meine Erfahrung zeigt: Offenheit gegenüber Nachbar*innen zahlt sich aus. Ich informiere Anwohnende vorab per Zettelwurf oder Türgespräch über Datum, Dauer und Zweck der Aktion. Das reduziert Missverständnisse und schafft Vertrauen. Bei größeren Aktionen habe ich immer eine Haftpflichtversicherung für Kunstprojekte abgeschlossen — das gibt sowohl mir als auch den Vertragspartner*innen Sicherheit.
Wenn es um interaktive oder politisch aufgeladene Inhalte geht, arbeite ich mit Mediator*innen oder Lokalakteuren zusammen, um Konflikte proaktiv zu adressieren.
Flexibilität und Evaluation
Das Unvorhersehbare gehört zur Arbeit im öffentlichen Raum. Ich plane Pufferzeiten, Alternativorte und einen Plan B für schlechtes Wetter (z. B. Ausweichen in ein Café oder ins Foyer der Alten Mälzerei). Nach jeder Aktion führe ich eine kurze Evaluation durch: Was hat funktioniert? Was würden wir beim nächsten Mal anders machen? Diese Reflexionen teile ich oft mit den Teilnehmenden — und dokumentiere Learnings für zukünftige Projekte.
Wenn Sie eine performative Intervention in Bad Vilbel planen und praktische Unterstützung oder eine Beratung möchten, schreiben Sie mir — ich begleite gern bei Konzept, Genehmigungen und Vermittlung.