Als kuratorisch tätige Künstlerin und Redakteurin bei Kunstverein Bad Vilbel teile ich hier meine persönlichen Erfahrungen und praktischen Tipps dafür, wie man eine kleine Gruppenausstellung organisiert und kuratiert. Kleine Formate haben oft eine enorme Kraft: Sie erlauben Nähe, Experiment und eine direkte Auseinandersetzung mit dem Publikum — vorausgesetzt, man plant sorgfältig und mit klarer Intention.
Ausgangspunkt: Idee und Konzept
Jede Ausstellung beginnt bei einer Idee. Bei einer Gruppenausstellung frage ich mich zuerst: Welches Thema oder welche formale Frage soll die Verbindung zwischen den beteiligten Künstler*innen herstellen? Manchmal entsteht die thematische Klammer durch ein Medium (z. B. Fotografie), manchmal durch eine Fragestellung (z. B. Erinnerung, Stadt-Landschaft, Materialität) und oft auch durch eine kuratorische Haltung — etwa die Einladung zu einer kollaborativen Arbeit oder zur Auseinandersetzung mit dem lokalen Kontext Bad Vilbel.
Für eine kleine Schau empfehle ich ein klares, eng gefasstes Konzept. Es hilft sowohl der Auswahl der Künstler*innen als auch der Vermittlung an das Publikum und an Fördergeber. Ein prägnanter Satz, der Ziel und Intention beschreibt, ist ein gutes Arbeitswerkzeug, das später in Pressemitteilungen und Einladungen genutzt werden kann.
Künstler*innenauswahl und Kommunikation
Ich bevorzuge eine Mischung aus Vertrautem und Neuem: ein bis zwei lokale Positionen, die bereits im Netzwerk sind, ergänzt durch Nachwuchs- oder Gastkünstler*innen. So bleibt die Ausstellung regional verwurzelt und gewinnt zugleich internationale Perspektiven. Bei der Auswahl achte ich auf:
- formale oder thematische Kohärenz — die Arbeiten müssen in Dialog treten können;
- Verschiedenheit in Arbeitsweise — verschiedene Medien und Herangehensweisen beleben den Raum;
- Praktische Machbarkeit — Transport, Größe und Aufbau der Arbeiten müssen zur Ausstellungsfläche passen.
Die Kommunikation mit den Künstler*innen sollte früh, transparent und respektvoll erfolgen. Ich sende ein kurzes Briefing mit Datum, Größe des Raums, Honoraren (falls vorhanden), technischen Voraussetzungen und erwarteten Materialien (CV, Abbildungen, Hängeplanwünsche). Ein klarer Zeitplan minimiert Missverständnisse.
Budget, Honorar und Formalia
Auch bei kleinen Projekten ist es wichtig, realistische Budgets zu planen. Honorare sind keine optionale Nettigkeit, sondern Anerkennung künstlerischer Arbeit. In meiner Praxis nutze ich oft eine einfache Budgettabelle, die folgende Posten enthält:
| Posten | Beispielkosten |
|---|---|
| Transport/Versand | 100–300 € |
| Material & Aufbau | 50–200 € |
| Honorar für Künstler*innen | je 100–300 € |
| Vernissage & Catering | 50–150 € |
| PR/Print | 50–150 € |
Wenn Fördermittel oder Partner ins Spiel kommen, dokumentiere ich alle Vereinbarungen schriftlich. Ebenfalls wichtig sind Leihverträge und Versicherung. Selbst ohne hochpreisige Werke sollte festgehalten werden, wer für Schäden beim Transport oder im Ausstellungsraum haftet.
Raumplanung und Hängung
Bei kleinen Ausstellungsflächen entscheidet die Hängung über Erfolg oder Missverständnisse. Ich messe den Raum genau, erstelle einen Hängeplan (auch digital, z. B. mit Photoshop oder SketchUp) und bespreche diesen mit den Künstler*innen. Typische Fragen sind:
- Welche Blickachsen sollen geöffnet oder geschlossen werden?
- Welche Arbeiten brauchen Abstand oder eine eigene Sockel-/Vitrine-Lösung?
- Wie ist die Lichtführung? Brauchen bestimmte Werke gerichtetes Licht oder diffuse Ausleuchtung?
Für die Hängung selbst nutze ich einfache Tools: eine Wasserwaage, Maßband, schmale Klebehaken, Stahlseile und verstellbare Galerieschienen, wenn möglich. Bei Skulpturen denke ich an stabile Sockel — IKEA-Möbel wie BEKVÄM bieten überraschend praktikable, kostengünstige Lösungen für temporäre Sockel.
Technik, Licht und Präsentation
Licht macht einen immensen Unterschied. Ich arbeite bevorzugt mit LED-Strahlern (dimmbare, tageslichtnahe LEDs), weil sie wenig Wärme abgeben und eine gute Farbwiedergabe haben. Achte auf gleichmäßige Ausleuchtung und vermeide Reflexionen auf Glas. Für Videoinstallationen oder Klangarbeiten kläre ich vorab technische Anforderungen (Player, Adapter, Lautsprecher, Kopfhörer) und teste alles mindestens einen Tag vor der Eröffnung.
Beschriftungen sollten kurz, lesbar und an strategischen Stellen angebracht sein. Bei kurzen Texten empfehle ich eine klare Hierarchie: Titel, Künstler*in, Jahr, Material, kuratorischer Hinweis (1–2 Sätze). Auf der Website des Kunstvereins (https://www.kunstverein-badvilbel.de) ergänze ich längere Texte und weiterführende Links — so bleiben die Einblicke vertiefbar.
Vermittlung und Vernissage
Die Eröffnung ist oft der lauteste Moment der Ausstellung. Ich plane sie so, dass sie Niederschwelligkeit fördert: ein kurzes Einführungsgespräch (10–15 Minuten), genug Stehplätze und kleine Anreize wie Getränke. Für die Vermittlung setze ich auf verschiedene Formate:
- Kurze Einführungstexte vor Ort
- Öffentliche Artist Talk oder Künstlervorträge
- Workshops oder Hands-on Aktionen, die das Publikum einbeziehen
- Digitales Begleitmaterial auf der Website (Text, Audio, Fotos)
Barrierefreiheit sollte ab der Planung berücksichtigt werden: breite Wege, Sitzmöglichkeiten, Texte in großer Schrift, ggf. Audiodeskriptionen für visuelle Arbeiten. Inklusive Vermittlung erhöht Reichweite und Qualität der Diskussionen.
PR, Dokumentation und Nachklang
Für die PR nutze ich eine Kombination aus lokalen Netzwerken, Social Media und Mailings. Ein klares Bild- und Textpaket (hochauflösende Fotos, kuratiertes Statement, Termindaten) erleichtert der Pressearbeit. Ich erinnere mich daran, auch Bildcredits und Kontaktinformationen beizufügen.
Die Dokumentation der Ausstellung ist essentiell: Fotos, Kurzvideos, Besucher*innenfeedback und ein kurzes Closing-Statement. Diese Materialien dienen nicht nur der Archivierung, sondern sind auch Grundlage für Förderanträge und zukünftige Kooperationen. Ich erstelle ein kurzes PDF-Report mit Zahlen (Besucher*innen, Veranstaltungen), Bildern und pressetexten — das ist ein nützliches Werkzeug für Künstler*innen und Förderer.
Typische Stolperfallen und wie ich sie vermeide
- Zu spät beginnen: Zeitdruck führt zu Kompromissen. Ich plane früh und baue Puffer ein.
- Unklare Zuständigkeiten: Wer hängt, wer ist technisch verantwortlich? Ich schreibe Rollen nieder.
- Keine schriftlichen Vereinbarungen: Leihverträge und Honorare gehören auf Papier.
- Technische Überraschungen: Testläufe sind Pflicht — mindestens 24 Stunden vor Eröffnung.
- Unzureichende Kommunikation: Regelmäßige Updates per Mail halten alle Beteiligten auf dem gleichen Stand.
Wenn Sie eine Gruppenausstellung im Kunstverein Bad Vilbel planen oder Vorschläge für Künstler*innen haben, melden Sie sich gern über die Kontaktseite unseres Blogs. Kleine Ausstellungen können große Wirkung entfalten — mit klarer Idee, sorgfältiger Planung und offener Kommunikation.