Als Veranstalterin und Kuratorin habe ich in den letzten Jahren mehrere öffentliche Kunstmärkte ohne klassische Galerieinfrastruktur organisiert. Jedes Mal war es eine Mischung aus logistischer Planung, kreativem Austausch und einem intensiven Lernprozess. In diesem Beitrag teile ich meine erprobten Schritte, praktische Tipps und konkrete Tools, damit auch Ihr einen erfolgreichen Kunstmarkt auf die Beine stellen könnt — lokal, inklusiv und mit überschaubarem Budget.

Warum ein Kunstmarkt ohne Galerieinfrastruktur?

Ein Kunstmarkt außerhalb des etablierten Galeriebetriebs schafft niedrigere Hürden für Künstler*innen, bringt Arbeiten direkt zu einem breiteren Publikum und stärkt lokale Netzwerke. Für Besucher*innen ist es oft die erste Begegnung mit zeitgenössischer Kunst in einem ungezwungenen Rahmen. Mir geht es dabei nicht um einen reinen Verkaufsevent, sondern um Begegnung, Vermittlung und Sichtbarkeit.

Erste Fragen, die ich mir stelle

  • Welches Ziel verfolge ich: Verkauf, Vernetzung, Präsentation junger Positionen?
  • Welches Publikum möchte ich erreichen — lokal oder auch überregional?
  • Welches Budget steht zur Verfügung und welche Infrastruktur wird benötigt?
  • Welche rechtlichen und sicherheitsrelevanten Aspekte sind zu klären?

Location: kreativ denken, praktisch umsetzen

Ich habe Kunstmärkte in Innenhöfen, leerstehenden Ladenlokalen, Gemeindehallen, Kirchenräumen und auf Marktplätzen organisiert. Wichtig ist die Erreichbarkeit, Sichtbarkeit und klar definierte Flächen für Aussteller*innen. Wenn keine Galerie vorhanden ist, helfen folgende Optionen:

  • Kooperation mit Kulturzentren, Büchereien oder Gemeindezentren.
  • Temporäre Nutzung von Leerständen (mit Eigentümer*innen vertraglich regeln).
  • Öffentliche Plätze: Stadtverwaltung frühzeitig einbinden, Genehmigungen klären.

Genehmigungen, Versicherung und Rechtliches

Das unterschätzen viele. Ich kontaktiere immer frühzeitig das Ordnungsamt, die Feuerwehr (bei größeren Aufbauten) und die Eigentümer*innen. Wichtige Punkte:

  • Veranstaltungsgenehmigung / Sondernutzungserlaubnis für öffentliche Flächen.
  • GEMA-Anzeige, falls Musik gespielt wird.
  • Haftpflichtversicherung für die Veranstaltung (oft durch den Veranstalter zu stellen).
  • Auflagen der Berufsgenossenschaft bei Bühnenbau oder elektrischen Installationen.

Teilnehmer*innen akquirieren: Offenheit und klare Kriterien

Ich kombiniere offene Calls mit gezielter Einladung interessanter Positionen. Ein kurzer Bewerbungsbogen (Name, kurze Künstler*innenbiografie, Fotos, gewünschte Standgröße und Preisrange) reicht oft. Kriterien, die ich nutze:

  • Qualität der Arbeiten (Portfolio-Bildauswahl).
  • Passung zum Gesamtkonzept: Vielfalt in Techniken und Preisstufen.
  • Regionaler Bezug vs. Gäste aus anderen Städten — beides kann funktionieren.

Infrastruktur für Stände und Präsentation

Flexibilität ist zentral. Manche bringen eigene Tische, andere benötigen Basisinfrastruktur. Ich stelle standardmäßig folgendes bereit (kostenbeteiligung möglich):

  • Klappstische (1,80 x 0,75 m) und Stühle.
  • Einfacher Pavillon oder Zelte bei Außenveranstaltungen.
  • Beleuchtung (Akkuscheinwerfer, wenn kein Strom zugänglich).
  • Beschilderung und Nummerierung der Stände.

Bei Indoor-Events denke ich an Hängesysteme oder Stellwände, um kleinere Arbeiten attraktiv zu zeigen.

Bezahlmöglichkeiten: praktikabel und vielseitig

Der Verkauf funktioniert am besten, wenn Ihr mehrere Zahlungsoptionen anbietet. Meine Favoriten:

  • Kontaktlos: SumUp oder iZettle/PayPal Zettle — schnell und kosteneffizient.
  • Online-Zahlungen: PayPal, Stripe für Vororders oder Reservierungen.
  • Bargeld: Nicht vergessen, Wechselgeld bereithalten.

Ich empfehle, klare Regelungen zur Provision zu definieren: Üblich sind 10–30% Vermittlungsgebühr, je nach Service (Vermarktung, Personal, Infrastruktur).

Promotion und Besucher*innenkommunikation

Ohne Galerie ist Sichtbarkeit eine Herausforderung. Ich kombiniere digitale und analoge Maßnahmen:

  • Eventseiten via Facebook Events und Eventbrite, Instagram-Posts und -Reels mit Künstler*innenvignetten.
  • Newsletter (z. B. Mailchimp) an lokale Kulturverteiler.
  • Flyer und Aushänge in Cafés, Kulturhäusern, Hochschulen.
  • Presseinfos an lokale Medien und Kulturblogs (mit guten Bildmaterialien).

Für die Gestaltung nutze ich oft Canva — schnell, preiswert und effektiv für Social Graphics. Wichtig: klare Angaben zu Datum, Uhrzeit, Anfahrt, Barrierefreiheit und Hygieneregeln.

Barrierefreiheit und Inklusion

Ich achte bewusst auf Zugänglichkeit: ebenerdige Zugänge, gut lesbare Beschilderung, Sitzgelegenheiten und taktile Hinweise, wenn möglich. Kommunikation in einfacher Sprache und mehrsprachige Informationen (Deutsch/Englisch) helfen, mehr Publikum anzusprechen.

Logistik am Veranstaltungstag

Ein Ablaufplan mit Zeitfenstern für Aufbau, Briefing, Öffnung und Abbau ist essenziell. Meine Checkliste für den Tag:

  • Volontär*innen/Hosts einweisen: Begrüßung, Info-Stand, Sicherheitschecks.
  • Materiallager: Klebeband, Kabelbinder, Werkzeug, Erste-Hilfe-Set.
  • Technik-Check: W-LAN (falls nötig), Stromverteilung, Drucker für Belege.
  • Abfallkonzept: Recylingstationen, Kompost für Essensreste.

Erfolgskennzahlen und Nachbereitung

Ich messe Erfolg nicht nur am Umsatz. Relevante Kennzahlen sind:

  • Besucher*innenzahl (Tageszählung oder Schätzung).
  • Anzahl verkaufter Werke und durchschnittlicher Preis.
  • Medienresonanz und Social-Media-Reichweite (Impressionen, Engagement).
  • Feedback von Aussteller*innen (kurzes Umfrage-Formular nach dem Event).

Ich sende nach dem Markt eine Dankes-Mail an Beteiligte mit einer Umfrage (Google Forms) und nutze Erkenntnisse zur Verbesserung nächster Editionen.

Beispiel-Budget (vereinfacht)

Posten Geschätzte Kosten
Genehmigungen 150–400 €
Versicherung 80–200 €
Infrastruktur (Tische, Zelte) 200–800 €
Technik & Beleuchtung 100–400 €
Marketing & Druck 100–300 €
Personal / Honorare 200–600 €
Sonstiges (Reinigung, Müllentsorgung) 50–200 €

Nachhaltigkeit und Community-Aufbau

Ich lege Wert auf lokale Wertschöpfung: Zusammenarbeit mit regionalen Caterern, Upcycling-Displays und Müllvermeidung. Ein Kunstmarkt kann das Fundament für dauerhafte Kooperationen sein — sprechen Sie mit Künstler*innen, Kulturschaffenden und lokalen Initiativen schon während des Events über zukünftige Projekte.

Wenn Ihr möchtet, kann ich Euch eine Vorlage für den Aussteller*innen-Call und eine Tages-Checkliste als PDF schicken. Schreibt mir einfach eure Fragen oder Details zu Eurem Projekt — ich helfe gern bei der konkreten Planung.