Als kuratorisch tätige Kunstschaffende erlebe ich immer wieder, wie eine gut durchdachte Fotoserie und eine konsequente Social-Media-Strategie zusammenwirken können, um lokale Ausstellungen über die eigenen vier Wände hinaus sichtbar zu machen. In Bad Vilbel, wo wir mit dem Kunstverein Badvilbel ein kleines, aber dichtes Netzwerk pflegen, sehe ich täglich, dass Bildsprache und Erzählung die Brücke zwischen Publikum, Künstler*innen und Veranstalter*innen schlagen.

Warum eine Fotoserie mehr ist als „nur“ Dokumentation

Fotografie dokumentiert, sie erzählt aber auch. Eine Fotoserie kann Stimmungen transportieren, Materialität hervorheben und räumliche Zusammenhänge begreifbar machen — weit über das, was ein reiner Veranstaltungseintrag vermitteln kann. Wenn ich Ausstellungen begleite, plane ich die Fotoserie früh: Welche Aspekte der Ausstellung sollen hervorgehoben werden? Ist es die Haptik der Arbeiten, das Zusammenspiel von Raum und Licht, oder die Interaktion mit dem Publikum?

Eine zielgerichtete Fotoserie nutzt verschiedene Bildtypen:

  • Detailaufnahmen – zeigen Material, Pinselstriche, Oberflächen.
  • Raumaufnahmen – geben Orientierung und Atmosphere.
  • Instruktions- oder Entstehungsfotos – zeigen den Prozess hinter der Arbeit.
  • Porträts – Künstler*innen in ihrem Umfeld machen die Ausstellung persönlich.
  • Wie Social Media die Reichweite katalysiert

    Social Media ist kein Ersatz für klassische Pressearbeit, aber es ist ein kraftvolles Werkzeug, um schnell Sichtbarkeit aufzubauen, Engagement zu erzeugen und direkte Rückmeldungen zu erhalten. Ich nutze Plattformen strategisch:

  • Instagram für visuelle Highlights und Stories.
  • Facebook für Event-Details und längere Texte, besonders um lokale Communities zu erreichen.
  • Twitter/X für schnelle Updates, Live-Kommentare und das Netzwerken mit Kurator*innen und Journalist*innen.
  • TikTok für kurze, bewegte Inhalte – besonders sinnvoll, wenn die Ausstellung performative oder prozessbasierte Elemente enthält.
  • Wichtig ist dabei, den Content an die jeweilige Plattform anzupassen: Hochformat-Videos und Reels für Instagram und TikTok, quadratische oder hochaufgelöste Bilder für Instagram-Feeds, längere Album-Posts oder Veranstaltungslinks auf Facebook. Ich verwebe vertraute Hashtags wie #BadVilbel #KunstvereinBadVilbel mit spezifischen Tags der Ausstellung und den Namen der Künstler*innen — so werden sowohl lokale wie auch themenspezifische Zielgruppen erreicht.

    Workflow: Von der Aufnahme bis zur Veröffentlichung

    Mein praktischer Ablauf hat sich über Jahre bewährt:

  • Vorbereitung: Briefing mit den Künstler*innen; Moodboard erstellen; Lichtverfügbarkeit prüfen.
  • Shooting: Anfangs detailorientiert fotografieren, danach Raumaufnahmen und Porträts. Ich arbeite oft mit einer Kombination aus DSLR (z. B. Canon oder Sony) und einem Smartphone (iPhone oder Google Pixel) für spontane Aufnahmen.
  • Selektion & Bearbeitung: Auswahl der besten Bilder, leichte Farbkorrektur in Lightroom oder Snapseed; bei Bedarf Retuschen, aber ich vermeide übermäßige Perfektion, weil Authentizität zählt.
  • Text & Kontext: Begleittexte schreiben — kurze Bildunterschriften, ein längerer Post für die Website (auf kunstverein-badvilbel.de), und ein Pressetext für lokale Medien.
  • Publishing: Zeitlich gestaffelt posten: Teaser vor der Eröffnung, Highlights während der Laufzeit, und Nachklänge mit Besucher*innen-Feedback.
  • Best Practices für Bildsprache und Storytelling

    Ein paar Regeln, die mir persönlich helfen, Ergebnisse zu erzielen:

  • Konsequent bleiben: Ein einheitlicher Look (Farbschema, Ästhetik) erhöht Wiedererkennbarkeit.
  • Erzählbögen nutzen: Beginne mit einem visuellen Teaser, erzähle die Entstehung, zeige die Eröffnung und die Reaktionen.
  • Barrierefreiheit beachten: Immer Alt-Text zu Bildern hinzufügen — kurze, prägnante Beschreibungen helfen Suchmaschinen und Menschen mit Sehbehinderungen.
  • Call-to-Action: Lade zum Besuch ein, gib Öffnungszeiten an, verlinke zur Anmeldung für Führungen.
  • Kooperationen und Multiplikatoren

    Lokale Partner sind entscheidend: Cafés, Kulturzentren, Schulen, Stadtmarketing. Ich organisiere oft gemeinsame Postings mit dem städtischen Kulturamt oder lade lokale Influencer*innen ein — nicht unbedingt jene mit Millionen Followern, sondern Micro-Influencer*innen, die in der Region verankert sind. Pressetexte sende ich an lokale Zeitungen und Online-Portale; für überregionale Aufmerksamkeit vernetze ich mich mit Kolleg*innen in anderen Städten.

    Ressource Warum
    Local Cafés / Kulturzentrum Flyer-Auslage, gemeinsame Events, Community-Reichweite
    Micro-Influencer*innen Authentische Empfehlungen, regionale Zielgruppen
    Presse & Blogs Verlässliche Berichterstattung, Archivierung auf Websites

    Besondere Formate, die gut funktionieren

    Ich probiere immer wieder neue Formate aus, die sich speziell für Ausstellungen eignen:

  • Before/After-Reihen – Aufbau vs. fertige Ausstellung.
  • Time-Lapse – Montage oder Auf- und Abbau in 30–60 Sekunden.
  • Reels/TikToks – kurze Einblicke, kombiniert mit Musik (auf die Lizenz achten!).
  • IGTV/YouTube – längere Gesprächsformate mit Künstler*innen.
  • Praxisbeispiel: Ausstellung X in Bad Vilbel

    Bei einer letzten Ausstellung im Kunstverein Badvilbel haben wir eine Serie aus acht Bildern vorbereitet: zwei Detailaufnahmen pro Arbeit, zwei Raumansichten und zwei Porträts der Künstler*innen. Die Veröffentlichung startete eine Woche vor der Eröffnung mit einem Karussell-Post auf Instagram, begleitet von einer Story-Serie hinter den Kulissen. Am Eröffnungsabend streamten wir kurze Interviews per Instagram Live, die später als Reels konvertiert wurden. Ergebnis: erhöhte Besucher*innenzahlen am Eröffnungswochenende und mehrere Anfragen für Künstlergespräche aus dem Umland.

    Tipps für begrenzte Budgets

    Nicht jede Institution kann professionelle Fotoproduktionen bezahlen. Einige pragmatische Ansätze:

  • Nutze Freiwillige oder Studierende aus der Kunst- und Medienbranche.
  • Arbeite mit einem lokalen Fotografen auf Basis von Tauschleistungen (z. B. Ausstellungseinladungen, Drucke).
  • Investiere in ein gutes Smartphone-Stativ und eine LED-Leuchte — oft reicht das für Social-Media-Content.
  • Wenn Sie Lust haben, begleite ich gerne Ihre Ausstellung mit einer konzeptionellen Fotoserie und einer begleitenden Social-Media-Kampagne. Auf kunstverein-badvilbel.de dokumentiere ich regelmäßig unsere Projekte — dort finden Sie auch Beispiele, die als Inspiration dienen können.